Anne Brenneke – Rappers Quilts

Anne Brenneke Rappers Quilts

Trends interessieren sie eigentlich nicht, genauso wenig wie Markennamen, Stardesigner oder was sonst gerade als modisch bezeichnet wird. Was für sie zählt ist Style. Den hat sie für mich mit ihrer Diplomarbeit „Rappers Quilts -A Life after Death“ mehr als bewiesen… Darf ich vorstellen: Anne Brenneke – Modedesignerin mit Leidenschaft für Rap Musik. In 18-monatiger Handarbeit verewigte sie Porträts von Rap-Legenden wie Eazy-E, The Notorious B.I.G., J-Dilla und Big L auf Quilts in XL Format.

Text & Portrait: Nicolette Scharpenberg,
Fotos: Spanier (http://www.flickr.com/photos/spanier), Linus Bill (http://www.linusbill.com/)

 

Anne Brenneke, Designerin aus Hamburg. Foto: Nicolette Scharpenberg

Anne Brenneke, Designerin aus Hamburg. Foto: Nicolette Scharpenberg

Interview mit Anne Brenneke, Designerin der Rappers Quilts

Verstorbene Rapper auf Quilts nähen. Wie kommt man auf so eine Idee?
Meine Diplomarbeit sollte vieles enthalten, was mir wichtig ist und das war für mich eigentlich nur eine logische Konsequenz. Ich war einfach nicht so daran interessiert eine typische „trendorientierte“ Abschlusskollektion zu machen. Ich wollte etwas machen was ich bin. Deshalb habe ich einen anderen, eher simplen oder elementaren Ansatz zu Bekleidung gesucht und so kam die Idee zu den Quilts.

Quilts und Rapper sind ja aber schon eine etwas außergewöhnliche Kombination. Wie kam es letzten Endes zu dieser Fusion?
Mein Thema war eigentlich Bricolage, also mit unterschiedlichen vorhandenen Materialien, etwas Neues konstruieren – DIY. Für mich das, was ich an der Hip Hop-Kultur schon immer am interessantesten fand und was ja auch mal ursprünglich der Anfang von dem Ganzen war jedoch manchmal vergessen wird. Die Ikonen die ich gewählt habe, wie Biggie, Eazy-E, J-Dilla und Big L waren für mich einfach nur die, die zu mir gesprochen haben. Die Auswahl ist nicht wichtig dabei. Sie ist einfach ganz persönlich (deswegen auch kein 2Pac…). Durch das Aufhängen und präsentieren in so einem Kunstrahmen sind die Quilts dann selber zu Ikonen geworden, so schließt sich der Kreis…

Anne Brenneke Rappers Quilts

Anne Brenneke Rappers Quilts

Wo sind die Quilts heute, hast du sie verkauft?
Nein, ich hatte bei der Ausstellung zwar fiktive Preise daran geschrieben, die im Nachhinein meiner Meinung nach aber viel zu niedrig waren für so eine unglaubliche Arbeit. Für den größten Quilt mit J-Dilla habe ich zum Beispiel sechs Monate gebraucht, er war 1,80m2. Die anderen sind nur unwesentlich kleiner, außer Eazy-E mit 60 x 80cm. Es sind teilweise bis zu zehn Schichten übereinander genäht. Ich bin ehrlich gesagt auch ganz froh, dass ich sie nicht verkauft habe. Die Quilts sollen mit mir altern und ich bin gespannt, wie sie in ein paar Jahren aussehen, wenn die Farben etwas ausgeblichen sind. Das ist bestimmt ein toller Effekt.

Wie kamst du eigentlich zur Mode?
Als ich 2001 von Göttingen nach Hamburg gezogen bin, habe ich mich zuerst für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte eingeschrieben, weil dafür der NC reichte. Doch das war so gar nicht meins und danach hab ich mich an der Armgardtstraße für Modedesign angemeldet. Ich habe als Kind viel Handarbeitskram mit meinen Freundinnen gemacht, habe genäht, geknüpft und auch ein bisschen gestrickt. Ich habe alles immer selber gemacht. Denn Konsolen, Handy, Internet etc. gab es damals ja noch nicht so richtig und hat mich auch überhaupt nicht interessiert. Ich fand es immer toll, zu sehen, wie Dinge entstehen. Aber einen Schlüsselmoment, an dem ich gesagt habe, ich will Modedesignerin werden, gab es eigentlich nicht. Es war immer eher mein Hobby und ich habe sogar mal einen Volkshochschulkurs in Nähen gemacht. Die wollten aber immer, dass ich alles total korrekt und mit geraden Linien nähe – gar nicht mein Ding. Bei mir war immer alles krumm und schief. Das sieht man übrigens auch bei den Quilts.

Anne Brenneke Rappers Quilts

Anne Brenneke Rappers Quilts

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Wie kamst du an deinen heutigen Job als Designerin für Cleptomanicx Women?
Ich habe irgendwie ewig studiert, elf Semester, oder waren es 13?
Meinen Job bekam ich letztendlich über Freunde. Als das Label sich entschlossen hat, eine Frauenkollektion zu machen, bin ich da irgendwie hineingerutscht. Meine Freunde sind quasi zu meinen Arbeitskollegen geworden. Ich habe Modedesign studiert, weil es mir einfach Spaß gemacht hat und ich die Leute in meinem Studiengang so gerne mochte. Zudem war es einfach das einzige was ich kann!

Anne Brenneke Rappers Quilts

Anne Brenneke Rappers Quilts

Was inspiriert dich?
So typische Sachen wie Magazine gibt es inzwischen wenige. Aber in den Neunzigern war es anders, THE FACE und die ID – ganz weit vorne. Egal ob Streetwear, Second Hand oder Haute Couture drinsteht. High und low gemischt, das ist das was mich immer anspricht und mich nicht nur bei Mode und Kultur sondern Allgemein einfach inspiriert.

Wie entstand deine Leidenschaft für Rap?
Da gab es eigentlich gar kein einschneidendes Erlebnis. Mich hat einfach alles in dem Bereich inspiriert, alte Serien, Musikvideos – einfach alles. Eigentlich haben wir früher ja auch eher R’N’B gehört. TLC, Salt ’n’ Pepper, Mariah in dem Video Dreamlover oder Aaliyah natürlich noch! Die war eigentlich am wichtigsten für uns – auch stylemässig sehr vorbildhaft!

Was ist deine persönliche Definition von Streetwear und was findest du dabei besonders spannend?
Streetwear ist immer ein schwer zu definierender Begriff. Das allgemein gültige Verständnis und Bild von Streetwear interessiert mich eigentlich nicht. Ich finde es spannend, wenn jemand Style hat, also wie er seine Klamotten kombiniert. Dabei ist es egal, welches Label jemand trägt. Ich hab mich nie besonders für Marken interessiert. Wenn ich überlege, gefielen mir jedoch immer eher japanische Brands. Diese Marken sprechen mich auch heute immer noch sehr an. Nicht unbedingt wegen der Klamotten und ihres Logos, sondern eher die Art wie sie sich präsentieren gefiel mir. Der Markenkosmos.

Anne Brenneke Rappers Quilts

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Der Kandie Shop an der Wohlwillstraße ist auf St. Pauli ja mittlerweile zur Institution geworden. Vielleicht kannst du uns kurz erklären, wer oder was die Kandie Klicke ist?

Die Kandie Klicke, das sind Kerstin, die Inhaberin, aka „Kandie Rose“, „Le Fou Fou“, „Liebchen“, „Superhorstjansen“, Zacki (A to the Z) und ich, damals noch mit Gheddorings Enterprise. Das waren Einweg Ohrringe aus Bauschaum, wobei wir wieder beim Thema DIY wären… Kandie hat uns zusammengesucht und wir haben uns dann angefreundet und verschiedene Aktionen für sie gemacht. Der Laden ist einfach eine Plattform gewesen, der thematisch schon viel vorgibt, und wir dort dann unsere kleinen Labels auch verkauft haben.
Was Kerstin mit ihrem Laden geschaffen hat, ist echt beeindruckend. Im Kandie Shop kannst du kommen und sein, so wie du bist. Es ist für mich wie ein kleines Zuhause hier auf St. Pauli.

Anne Brenneke Rappers Quilts

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Was planst du für die Zukunft?
Ich möchte mir in New York ein zweites Standbein aufbauen. Das Schöne ist, dass ich in meinem Job relativ viel Freiheit habe und New York für Trendrecherche nutzen kann. Die Stadt lädt mich auf und inspiriert mich, denn wenn man allein von Downtown BK nach Norden Williamsburg läuft hat man schon so viele Facetten der Gesellschaft gesehen, die in Hamburg einfach nicht so zugänglich sind. Ich hab einfach Bock drauf, dort zu leben.

Vielen Dank für das Gespräch!

Anne Brenneke Rappers Quilts

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www.annebrenneke.wordpress.com
www.facebook.com/kandieshop

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