BLOGREBELLEN X SUPERLATIVE : CHARLES DARWIN LÄSST GRÜSSEN, DU HAST DEIN GEHIRN VERGESSEN

Als allererstes Mal ein großes Big Up an den einzigartigen Kurt Vonnegut.
Der, bereits leider verstorbene, amerikanische Schriftsteller war einer der ganz Großen.
Wer auf einen feinen und dennoch rabenschwarzen Humor steht ist bei ihm genau richtig.
Seine Werke sind teilweise bitterböse sozialkritische Studien der menschlichen Rasse und setzen sich oft mit dem Thema des Krieges auseinander. Kurt Vonnegut, der als amerikanischer Gefangener der Deutschen im Zweiten Weltkrieg die Bombardierung Dresdens miterlebte, verarbeitet dieses Erlebnis immer wieder in seinen Schriften. In „Der taubenblaue Drache“ bin ich über folgendes Zitat gestolpert und wurde auf der Stelle noch mehr zum Fan, als ich es eh schon bin.

 

„Darwin hat Krieg und Völkermord das Gütesiegel der Wissenschaft verpasst“
Kurt Vonnegut

Mit Charles Darwin ist das ja so eine Sache.
Seine Evolutionstheorie spaltet die Menschen und sie wird gerne als Grundlage für allerlei Wissenschaften, wie z.B. die Eugenik, verwendet, die teilweise erschreckend blödsinnige und rassistische Ausmaße annehmen.
Was komischerweise der Großteil der Menschen falsch verstanden hat (zumindest in Deutschland erscheint es mir so), ist die Annahme, das Darwins Theorie aussagt, das das Gesetz des Stärkeren gilt.
Das mag daran liegen, das der berühmteste Schlüsselsatz über die Evolutionstheorie vom Philosophen Herbert Spencer stammt, der da lautet: „Survival of the Fittest“.
„Fittest“ übersetzen die meisten wohl mit „Stärkeren“, bedeutet aber, „des am besten Angepassten“.
Ooopsi, blöd gelaufen nä?!
Nun ja, ich dachte das bis vor kurzem ehrlich gesagt auch noch, aber es ist ja glücklicherweise nie zu spät, sich eines besseren belehren zu lassen und schlauer zu werden.

Mein ganz persönliches Aha Erlebnis hatte ich diesbezüglich im letzten Urlaub.
Ich saß entspannt mit ein paar Dudes in Cuba in einer Küche rum und wir diskutieren über dies und das, bis plötzlich das Argument raus geholt wird, das ja das „Gesetz des Stärkeren“ gelte, etc.
Ich dann so, neee mein Freund, das haste falsch verstanden, da geht’s um das Überleben des am besten Angepassten, usw. Ich war natürlich ganz stolz, weil ich das ja gerade erst gelernt hatte und meinte noch, dass ich das bis dato auch immer verpeilt hatte.

Alter!
Ihr hättet den Typen sehen sollen, er kam von jetzt auf gleich, von 0 auf 100 – und dann gar nicht mehr klar. Er faselte irgendwas von wegen, nein das würde nicht stimmen, wurde voll pampig, und als ich mich erdreistete ihm zu widersprechen, wurde er persönlich und ausfallend.
Ähhh, okay?!
Ich saß da und dachte nur, jetzt nicht ausflippen Janny, egal was Du sagst, der Typ hört Dir eh nicht mehr zu, vergiss es, leg Dich nicht mit ihm an. Als ich kurz davor war rauszugehen um ne Kippe zu rauchen und runterzukommen, meldete sich einer der anderen Anwesenden zu Wort.
Er erklärte dem aufgebrachten Möchtgern-Alpha-Tierchen, das ich sehr wohl Recht habe, denn wenn er eines in seinem Studium gecheckt hätte, dann die Evolutionstheorie.
Oh! Mein! Gott! Da war aber einer plötzlich ganz, ganz still.
Den Rest der Diskussion hab ich mir dann gespart, das Gefühl allerdings hat sich tief in mich eingebrannt.
Da steht ein Typ der denkt er hätte alles gesehen, wäre der Schlauste der Welt und hat am Ende doch nur so hart Komplexe, das es noch nicht mal dazu reicht jemanden – am allerwenigsten einer Frau – Recht zu geben, bzw. kommt nicht mal auf die Idee, das er eventuell unrecht haben könnte.

Das was ich da erlebt habe war fast etwas wie eine Art Slapstick. Ein großartiges, lebendiges Beispiel der Auswirkungen des Patriarchats auf unser Zusammenleben, sowie die Anwendung der falsch verstandenen Darwin’schen Prinzipien des Überlebenskampfes auf die Gesellschaft.
Und ich hätte damals in dieser Küche in Kuba gerne darüber gelacht, aber es hat mich ehrlich gesagt sehr schockiert.
Ja, der Überlebenskampf in unserer Gesellschaft war, und ist, hart.
Ja, die Grundstrukturen unserer herrschenden Regierungssysteme sind mehr als dazu gemacht anti-philanthropischen politischen Strömungen Rückenwind zu verschaffen. Was der gute Charles Darwin aber noch raus gefunden hat und was auch immer wieder vergessen wird, ist, das die Voraussetzung darwinistischer Entwicklung, die Blindheit der sich entwickelnder Individuen gegenüber den Rahmenbedingungen voraussetzt.

Das, was uns Menschen also u.A. vom Tier unterscheidet, nämlich die Erkenntnisfähigkeit, schließt das „Top Oder Flop“-Ausleseprinzip für uns eigentlich schon von vornherein aus. Und genau das war es auch, was mich damals so erschreckt hat, die absolute Unfähigkeit meines Gegenübers, sich selbst in Frage zu stellen, sondern ganz im Gegenteil, blind und aggressiv Recht behalten zu müssen.
Daraus entstehen Kriege, und das die uns nicht weiterbringen, sollte wohl jeder mit ein bisschen Grips im Kopf verstanden haben, und das sich Darwin bei einer solchen Interpretation seiner Theorien wohl im Grabe umdreht, ist hoffentlich ebenso anzunehmen.

 

 

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Die Kolumne wurde zuerst bei bei den Blogrebellen veröffentlicht.

Unsere Brüders und Schwesters drüben in Berlin machen da einen ganz fantastischen Job und da sich Solidarität immer auszahlt und man gemeinsam mehr bewegen kann, schreibt Janny jetzt öfter mal einen Schwank aus ihrer Gedankenwelt für sie.

Da sie so eine Leseratte ist, handelt es sich meist um literarische Zitate, die sie zum Denken anregen. Wenn sie ähnliches bei euch bewirken, haben wir unser erstes Ziel schon mal erreicht. 

Bleibt sauber Kinners und macht euch noch einen entspannten Tag.

Löve allover

Janny Schulte

Even though my mom raised me right that rap shit saved my life and sometimes I may look kinda funny but ain´t no fool cause whatever I want to do I make it clever. Still life as a shorty shouldn´t be so rough but I´m leaving the past cause I learned I´m the only motherfucker that can change my life.

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