BLUMEN GEGEN SEX? Die Valentinstagskampagne von Bloomy Days

Ja, in den letzten Jahrzehnten ist innerhalb der Gesellschaft viel passiert, was die Gleichstellung der Frau angeht. Wir sind zwar noch längst nicht da angekommen wo wir gerne wären, aber hey, man muss sich wohl damit abfinden, das die Mühlen langsam mahlen. Hauptsache ist doch, es geht in die richtige Richtung.

Dann passiert es aber immer wieder, das man seinen Augen und Ohren nicht traut, was für ein vollkommen hirnloser und frauenfeindlicher Schwachsinn auf den Markt geschmissen wird.
Dinge, bei denen es jedem einigermaßen klar denkenden Menschen die Fußnägel hochrollt vor Grauen, werden uns als hip und progressiv verkauft.

 

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So wie die aktuelle Valentinstagskampagne vom Blumenversand „Bloomy Days“.
Wir unterstellen ihnen jetzt einfach mal komplette Beschränktheit in Bezug auf alle Bereiche der Frauenbewegung, denn das so etwas bei vollem Bewusstsein passieren kann, wollen wir uns eigentlich gar nicht so richtig vorstellen.

Caren Faluma hat das ganze Desaster mal etwas genauer unter die Lupe genommen, und den Verantwortlichen einen netten Brief geschrieben.

 

Blumen gegen Sex? Ein offener Brief an Bloomy Days von Caren Miesenberger

Liebe „€Bloomy Days“€

Ich finde es erst einmal begrüßenswert, im urbanen Raum mehr Vaginasymboliken zu sehen und auch in der Werbung mehr dementsprechende Repräsentationen.
Leider richtet sich die von Ihnen produzierte Valentinstagskampagne, mit der ganz Berlin tapeziert zu sein scheint, klar an einen männlichen Blick, konkret: an Typen, die Muschis wollen und sich diese – so suggeriert es die Anzeige – „durch die Blume“ kaufen können.
Das ist leider nicht progressiv, sondern verortbar in einer Tradition, die den Wert einer Frau allein über ihren Körper und dessen sexuellen Nutzen für Männer definiert.

Die Objektifizierung weiblicher Körper wird durch ihre Anzeige sogar noch mehr zugespitzt als in den meisten Kampagnen, da nicht ’nur‘ nackte Brüste oder sich lasziv räkelnde 18-jährige Mädchen wie in jeder beliebigen Werbung (siehe beispielsweise den aktuellen Spot der Parfummarke Chloé) abgebildet werden, sondern eine alleinige Reduktion auf das weibliche Geschlechtsteil stattfindet.
Zugang zum weiblichen Geschlechtsteil als „Dankeschön“ für den Kauf eines Blumenstraußes zu erhalten wird in der Anzeige als „Erfolg“ bezeichnet.
Dies spricht auch Bände über Ihr Männerbild – alle triebgesteuert und nur imstande, ihren Frauen etwas Gutes zu tun, wenn sie eine sexuelle Gegenleistung dafür erhalten –€ und über Ihr Verständnis von romantischen Zweierbeziehungen, die anscheinend nicht auf Zuneigung basieren sollen, sondern als körperlicher Tauschhandel mit unausgesprochenen Intentionen und hinterlistigen Aktionen, um an sein Ziel zu kommen.

Fragen, die mir beim Betrachten Ihrer Anzeige durch den Kopf schwirren:
Arbeiten bei Ihnen in der Werbeentwicklung keine Frauen?
Finden diese das witzig? Wenn ja, weshalb?
Schießen Sie sich als Unternehmen, welches von einer Frau geleitet wird und laut Eigenaussage 85 % weibliche Kunden hat, durch solch eine Kampagne selbst nicht nur ethisch, sondern auch ökonomisch ins Knie?
Kaufen Ihre Kundinnen zum Valentinstag keine Blumen?
Wollen Sie diese verschrecken?

Eigentlich sollte ich für dieses Paradebeispiel an Sexismus in der Werbung vielleicht sogar dankbar sein, denn an ihm wird deutlich, dass dieser nicht nur Frauen, sondern alle Menschen trifft – so reduziert die Kampagne den Wert von Frauen nicht nur auf ihre Muschi, sondern suggeriert außerdem, dass Männer das alleinige Ziel verfolgen, Zugang zu dieser zu erhalten.

Insgesamt ist es aber einfach nur traurig, dass durch Ihre Anzeige dazu beigetragen wird, dass Körper als Aushandlungsort von geschlechtlichen Machtverhältnissen manifestiert werden.
Dies benachteiligt alle Frauen – und damit alle eingeschlossen, die bei ihnen arbeiten oder mit ihnen verwandt, befreundet, verschwestert usw. sind.

Könnten wir die Gesellschaft nicht so viel schöner gestalten, wenn wir derartige stereotypische Rollenbilder brechen statt sie zu manifestieren?

Freundliche Grüße,
Caren Miesenberger

 

 

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Caren Miesenberger lebt, studiert und arbeitet eigentlich in Hamburg, tut dies aber gerade in Rio de Janeiro.
Sie interessiert sich für intersektionalen Feminismus und dafür, eine Verbündete für Menschen zu sein, die von mehr gesellschaftlicher Unterdrückung betroffen sind als sie selbst. Hat viel journalistisch, an der Uni und im Filmbereich gearbeitet. Wichtige Themen außerdem: Essen, Azealia Banks und das Internet.

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