CORA E – DIE GRANDE DAME DES DEUTSCHRAP IM INTERVIEW

Cora E. gilt als Pionierin des deutschsprachigen Rap, doch seit einigen Jahren ist es ruhig um die Künstlerin geworden. Auf der Kassler Mai-Jam konnte man einen ihrer seltenen Auftritte sehen. Dort stand sie gemeinsam mit Martin Stieber, Aphroe von RAG und Defcut auf der Bühne und bewies allen, dass sie kann – wenn sie will.
Wir ergriffen die Chance um die Grand Dame des deutschen Hip-Hop zum Gespräch zu bitten.

Cora E im Superlative Interview - pic by Aykut Guer

Cora E im Superlative Interview – pic by Aykut Guer

Um dich ist es ja eher ruhig geworden. Wie kam’s dazu, das du heute hier in Kassel auf der Bühne stehst?

Ich mache ja schon hin und wieder mit den Stiebers Auftritte.

Stimmt, das ist ja bei euch ein sehr familiäres Ding – auch schon immer gewesen. Würdest du die Auftritte auch noch machen, wenn nicht deine Leute aus dem Freundeskreis dabei wären?

Nee! Überhaupt nicht. Ich meine darum geht es ja. So waren meine Anfänge und ich habe das schon immer mit Leuten gemacht, mit denen ich auch sonst viel zu tun hatte.

Cora E im Superlative Interview - pic by Aykut Guer

Cora E im Superlative Interview – pic by Aykut Guer

Ist das Auftreten wie Rollschuh laufen? Verlernt man das nicht?

Bei Rollschuh fahren weiss ich’s gar nicht – kann ich gar nicht – aber das Auftreten, das sollte man schon üben. Obwohl wenn ich dann auf der Bühne stehe, dann läuft das irgendwann auch wie von selbst. Man muss dafür jetzt ja auch nicht so viel können.

Seit Schwesta Ewa auf der Bildfläche erschien, gab’s immer mal wieder Vergleiche zu dir. Vermutlich wegen der Stimme. Siehst du Ähnlichkeiten oder Parallelen?

Nein.

Auch in Bezug auf die Stimme nicht? Gar keine Ähnlichkeit?

Nö, finde ich nicht!

Du bist ja jetzt schon sehr, sehr lange dabei. Wie bewertest du die Entwicklung des Hip-Hop vor allem in Hinblick auf die Rolle der Frau? Ist es heute einfacher als Rapperin ernst genommen zu werden?

Nee, es ist mit Sicherheit schwerer geworden. Also, wenn ich jetzt noch mal 14 wäre, würd’ich nicht mit Rappen anfangen!

Cora E im Superlative Interview - pic by Aykut Guer

Cora E im Superlative Interview – pic by Aykut Guer

Okay… aus welchen Grund?

Joa.. es ist alles sehr negativ geworden.
Also ich habe mir damals keine Fragen stellen müssen, ob ich das als Mädchen machen kann oder nicht. Als ich angefangen habe zu rappen ging es darum ob man Skills hatte und einen guten Flow und es hat niemand interessiert, ob man ein Mädchen war. Man musste halt mithalten. Ich glaube, das ist heute anders.
Die Entwicklung ging schon früher in Amerika los. Da gab’s erst Künstlerinnen wie Roxanne Shanté, MC Lyte oder Queen Latifah. Die haben was gekonnt  – und wurden dafür auch ernst genommen. Dann kamen all die Lil’Kims, die einen auf Sex gemacht haben… das tut ja eigentlich nicht Not.
Es geht doch um Rap und um’s Texte schreiben. Ganz abgesehen davon schreiben heute viele Künstler ihre Texte nicht mal mehr selbst. Die tragen dann was vor, das gar nicht von ihnen ist! Ich finde das aber ganz wichtig, sonst braucht man das alles doch gar nicht machen. Worum geht es denn sonst dabei?

Cora E im Superlative Interview - pic by Aykut Guer

Cora E im Superlative Interview – pic by Aykut Guer

Was inspiriert dich?

Mich inspiriert das Leben. Das war schon immer so.
Jetzt habe ich Familie und Kinder – darüber könnte man sicher auch viel schreiben, aber da bleibt leider nicht viel Zeit. Texte schreiben, wenn man zwei kleine Kinder hat, das geht einfach nicht. Das war dann auch der Hauptgrund weshalb ich keine Texte mehr geschrieben habe und als Folge nicht mehr gerappt habe und aufgetreten bin.
Jetzt sind sie langsam so groß, dass sie auch verstehen, wenn ich mal weg muss um Auftritte zu machen. Das war aber lange nicht so und dann hätte mir das Auftreten keinen Spaß gemacht. Da sind mir meine Kinder einfach wichtiger gewesen als irgendwo auf einer Bühne zu stehen.

 

 

 

[infobox bg=“redlight“ color=“black“ opacity=“on“ subtitle=“www.umweltverschmidtzung.net“]Jessica Schmidt[/infobox]

Jessica Schmidt

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