Mingles, Monogamie und ein Forever-ever-ever???

In ihrem Song Ms. Jackson haben Outkast die Ungewissheit über die Dauer einer Beziehung sehr schön auf den Punkt gebracht: „Hope that we feel this, feel this way forever. You can plan a pretty picnic, but you can’t predict the weather“. Doch warum tun wir uns mit diesem ‚forever‘ eigentlich so schwer?

Es ist wie es ist: Der Singlemarkt steckt in einer noch größeren Krise als der Finanzmarkt.
Das lässt sich auch nicht schön reden und so ist es nicht verwunderlich, dass auf Single- und Fickbörsen, wie Tinder, Hochkonjunktur herrscht. Das Geschäft mit den einsamen Herzen boomt wie nie zuvor und die Medien werden nicht müde, in ihren Beiträgen das Beziehungsverhalten unserer Generation zu analysieren.

Zeitjung erklärt, weshalb eine Acht niemals glücklich mit einer Drei werden kann und die Die Welt erfindet gleich eine ganz neue Spezies, die ‚Mingles‘.Obwohl der Wunsch nach festen Beziehungen durchaus besteht, fällt das ‚Festlegen‘ auf einen Partner scheinbar schwer. Bindungsangst und Partnerschaft lassen sich eben nur schwer vereinbaren.

3 Glaubenssätze, die Menschen überdenken sollte, wenn sie auf der Suche nach dem ‚für immer‘ sind, von dem alle reden:

1. Monogamie ist veraltet

‚Biologisch ist der Mensch gar nicht dafür vorgesehen, sich sein ganzes Leben nur an einen Partner zu binden‘, ist ein beliebtes Todschlag-Argument von Freunden der ‚lockeren Lebensart‘. Ein gefährliches Halbwissen, denn einerseits lernen viele bereits in ihrer frühkindliche Entwicklung, zwei Menschen in gleichem Maße zu lieben (wenn wir Vater und Mutter gleich ‚lieben‘), andererseits waren wir Menschen auch nicht dafür vorgesehen auf den Mond zu fliegen und taten es trotzdem.
Die Frage ist hier: Was erwarte ich von einer Partnerschaft? Emotionale Sicherheit? Liebe und Geborgenheit? Ein erfüllendes Sexualleben? Alles, und zwar genau in der eben genannten Reihenfolge?
Es klingt vielleicht unglaublich, doch möglich wär’s!

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Monogamie ist allerdings die Basis dafür, denn Polygamie bietet nicht die besten Grundvoraussetzungen für Vertrauen, welches wiederum emotionale Sicherheit und Geborgenheit schafft. Einfach ist die Monogamie-Kiste doch ganz sicher nicht. Doch wenn glückliche Beziehungen so einfach wären, dann hätte jeder eine. Vor allem nach der Verliebtsein-Phase bedeuten Beziehungen Arbeit.Denn der Alltag macht auch vor dem verliebtesten Paar nicht halt und früher oder später kommt der Tag, da wacht man nicht mehr neben dem schönsten Mensch der Welt auf.

Plötzlich bemerkt man das Knittergesicht und den Mundgeruch am Morgen und auf einmal kotzt es einen an, dass dieser Mensch scheinbar zu dumm ist, den Klodeckel runter zu machen, obwohl man es ihm 1000 Mal erklärt hat. Nichts mehr mit knisternder Erotik und das erfüllte Sexualleben beginnt unter der Routine zu leiden.
An diesem Punkt in einer Beziehung stellt man plötzlich fest, dass auch ‚andere Eltern schöne Kinder‘ haben und man beginnt sich wieder mit den ‚anderen Fischen im Becken‘ zu beschäftigen.
Diese Phase einer Beziehung ist ganz normal und die meisten Paare scheitern an ihr.
Denn Liebe und verliebt sein sind leider nicht dasselbe.
Liebe ist, wenn man morgens neben jemanden aufwacht, der nicht perfekt ist, aber man dankbar ist, das dieser Mensch sein Leben mit uns teilt. Liebe ist, wenn ich bemerke, dass ich andere Menschen anziehend finde und ich meinem Partner trotzdem treu bin und ihn nicht nur wegen seiner Optik schätze.

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Schöne Menschen gibt es viele, aber wie oft begegnen wir einem Menschen, mit dem es wirklich passt?
Einem Menschen, neben dem wir morgens aufwachen und uns freuen, dass er noch da ist?
Ein Mensch, den wir nicht ins Taxi setzen wollen, bevor er den Mund aufmacht?
Fakt ist, so jemand steht nicht an jeder Ecke und deshalb ist es oft einfacher, ein Sexualleben wieder in Schwung zu bringen, als jemanden zu finden, mit dem man überhaupt ein Sexualleben haben will.
Monogamie ist nicht veraltet, sondern ein zeitloser Klassiker und Treue zudem eine Form des Respekts gegenüber dem Partner.
Jetzt mal Hand aufs Herz: Wer hat wirklich Bock seinen Partner mit jemand anderem zu teilen?
Ich persönlich nicht! Ich stehe auf Exklusivität. Das, was alle haben können muss ich jetzt nicht auch noch haben. Neben meinem Ego hat das vor allem auch hygienische Gründe. Ich leihe mir beim Bowling auch keine Schuhe aus und ebenso wenig, wie ich Fusspilz mag, mag ich Geschlechtskrankheiten.
Ein Mann, bei dem ich befürchten müsste, dass er letzte Nacht noch in einer anderen gesteckt hat, würde mich einfach abturnen. Ich teile viel, aber eben nicht alles.
Und befinden wir uns mittlerweile nicht auch auf einer Evolutionsstufe, auf der wir unser Triebverhalten eigentlich unter Kontrolle haben sollten?

 

2. Beziehungsleben ist des Freiraums Tod

Man kennt diese Paare, in denen zwei Individuen scheinbar zu einer einzelnen Lebensform verschmelzen.
Aus Angelina und Brad wird Brangelina und plötzlich gibt es nicht mehr ‚meins‘ und ‚deins‘, sondern nur noch ‚unser‘. Optisch unterstreichen sie ihre Verbundenheit auch gerne durch Partnerlook – eine ganz besonders peinliches Verhalten, selbst für die Verbindung, die mit Nachnamen Beckham heissen.
Ja, verliebt zu sein ist wunderbar und deshalb verbringt man am Anfang am auch gerne jede freie Minute mit dem Liebsten.

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Natürlich soll man das genießen, doch auch diese Phase geht vorüber und auch das ist ganz normal. Irgendwann hat jeder wieder Lust sich mit seinen Freunden zu treffen, seinen Hobbys nachzugehen und auch mal etwas alleine zu unternehmen.
Dieses Bedürfnis bedeutet aber nicht, das man den Partner weniger liebt.
Sich Freiräume zu nehmen ist für eine Beziehung wichtig, denn sonst gehen einem irgendwann die Gesprächsthemen aus, wenn man ständig nur zusammenhängt. Wenn es schwer fällt Freiräume zu geben, dann sagt das oft viel über die Qualität einer Beziehung aus.

Weshalb möchte ich meinen Partner nicht alleine mit seinen Freunden um die Häuser ziehen lassen? Warum kommt es für mich ein getrennter Urlaub nicht in Frage?

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Die Antworten auf solche Fragen zeigen oft, woran eine Beziehung früher oder später scheitern könnte.
Es ist wichtig offen über seine Befürchtungen zu reden, damit eine Beziehung wachsen kann. Im Gegensatz dazu ist es wichtig ehrlich zuzugeben, wenn man sich in einer Beziehung eingeengt fühlt.
Ein Partner ist kein Mentalmagier und er kann nicht wissen, wie wir uns fühlen, wenn wir es ihm nicht verraten. Oft neigen wir dazu unsere Gefühle aus Rücksicht auf den Partner zu verheimlichen oder weil wir befürchten falsch verstanden zu werden. Das macht jedoch langfristig nur wenig Sinn, weil unterdrückte Gefühle mit der Zeit nur stärker werden.
Das Bedürfnis nach mehr Freiraum ist völlig legitim und indem wir uns Freiräume nehmen, bleiben wir auch für den Partner interessant.
Nichts ist uninteressanter als eine Person, die ihr ganzes Leben nur auf uns ausrichtet und keine eigenen Lebensinhalte halt. Beziehungen bedeuten deshalb nicht das Ende des persönlichen Freiraums, vielmehr wäre mangelnder Freiraum das Ende einer Beziehung.

 

3. Vielleicht kommt ja noch jemand besseres?

Ja, vielleicht. Und vielleicht bringt Tupac noch ein weiteres Album raus.
Kann sein – muss aber nicht. Und wenn schon?
Was würde im schlimmsten Fall passieren, wenn noch jemand ‚besseres‘ käme?
Im Gegensatz zu Kindern ist ein Partner niemand, den Mann für den Rest seiner Lebens haben wird – wenn man das nicht möchte. Eine Beziehung ist kein Shirt im Sommerschlussverkauf, das vom Umtausch ausgeschlossen ist und welches man bei Nichtgefallen nicht zurückgeben kann. Sollte es wirklich nicht passen, dann steht es einem jederzeit frei einen Schlussstrich zu ziehen.
Doch vielleicht kommt eben doch niemand besseres und am Ende bereut man nur Gelegenheiten, die man nicht genutzt hat. Es nicht wenigstens zu probieren wäre der Fehler und zum Schluss ist man immer reicher, zumindest an Erfahrung.
Glückliche Beziehungen sind wie eine Sixpack-Standfigur, sie fallen einem nicht einfach in den Schoß.
In beiden Fällen heißt es: Work baby, work! Ebenso wenig, wie sich die meisten zum Sport aufraffen können, können viele ihre Gefühle erst gar nicht zulassen.
Doch wer die Bequemlichkeitszone erst einmal verlässt, der wird oft dafür belohnt.

 

[infobox bg=“redlight“ color=“black“ opacity=“on“ subtitle=“www.umweltverschmidtzung.net“]Jessica Schmidt[/infobox]

Jesica Schmidt, Superlative Görl aus Börlin, schreibt auf Superlative über dies und das, je nachdem was ihr halt gerade auf der Seele liegt.

Wir freuen uns sehr, das sie mit am Start ist und sind gespannt auf viele weitere Artikel aus ihrer Hand.

Löve

 

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Jessie Schmidt – Undiscovered Genius and Part-time Cultural Terrorist. Living and loving in Berlin. True to the Game.

All my morals and values primarily come from Al Pacino movies. I’ve just enough beauty to make people wonder why I’m single and just enough of a mouth to make it easy for them to figure it out on their own.

 

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