Fotografin Eylül Aslan im Superlative Interview

Interview: Paulina Akbay

Eylül Aslan ist eine junge Fotografin aus Istanbul, die in Berlin lebt. Wir treffen sie in ihrem Büro in Kreuzberg. Auf den ersten Blick sind ihre Werke eine Mischung aus Verträumtheit und Verspieltheit, sie sind voller Witz und Charme. Im Superlative Interview erläutert sie uns aber auch eine dunklere Botschaft, die nur auf den zweiten Blick zu erkennen ist!

1. Liebe Eylül, erzähle uns doch erst einmal etwas über dich!

Wie bereits erwähnt heiße ich Eylül Aslan, was auf Türkisch so viel wie „September Löwe“ bedeutet. Geboren wurde ich 1990 in Istanbul. Ich fotografiere seit 2007 und habe französische Literatur studiert. Für eine kurze Zeit habe ich als Lehrerin und Übersetzerin gearbeitet, bis ich gemerkt habe, dass mich die Fotografie glücklicher macht. Die analoge Fotografie hat es mir besonders angetan. Bereits vor einer Weile habe ich zwei Bücher mit meiner Fotografie herausgebracht (hier und hier). Seit ein paar Jahren lebe ich in meiner Wahlheimat Berlin. Hier fühle ich mich frei.

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2. Warum wurdest du Fotorafin und was bedeutet Fotografie für dich?

Ich habe angefangen zu fotografieren, um den Prozess als heranwachsendes Mädchen festzuhalten. Dinge wie die erste Periode und das Abschneiden der Haare gehörten dazu. Zunächst fing ich mit Selbstproträts an, danach fotografierte ich meine Cousine, später dann fremde Modelle. Viele meiner Modelle wollten sich nur nackt fotografieren lassen, sofern ihre Gesichter nicht erkennbar waren. Sie fürchteten sich davor, dass sie von ihrem Vater oder Bruder entdeckt werden könnten. Zeigt sich ein Mädchen in der Türkei in aufreizenden Kleidern oder gar nackt, wird sie oft als Prostituierte bezeichnet. Dieses Problem habe ich in Berlin nicht.
Traditionell gesehen haben Frauen in der türkischen Gesellschaft keine wichtigen Rollen. Doch meine Fotografie thematisiert vor allem Frauen und Weiblichkeit. Sie ist eine Rebellion gegen eine kontrollierende Gesellschaft. Schlechte Erfahrungen mit Männern, aber auch der Zwang in der Öffentlichkeit jemand anderes zu sein, prägen sie. In der türkischen Gesellschaft ist das Reden über sexuelle Themen in der Öffentlichkeit ein Tabu. Ich selbst aber bin eine sehr sexuelle Person. Das war nicht immer einfach für mich. Durch die Fotografie jedoch konnte ich ich selbst sein und mich frei ausdrücken.

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3. Wie würdest du den Stil deiner Fotografie beschreiben? Und was sind Schlüsselelemente deiner Werke?

Ich denke es gibt gewisse Schlüsselelemente in meinen Werken, aber ich kann sie nicht wirklich in Worte fassen. Es ist mehr ein „Gefühl“, das sie vermitteln. Eine Art „-ismus“, so wie Impressionismus oder Expressionismus. Dieses Gefühl würde ich als ehrlich, nicht inszeniert, bunt und lebendig beschreiben. Meine Bilder zeigen weiche Formen und erzählen eine Geschichte.

4. Wie ist dein Arbeitsablauf, wenn du eine neue Fotoserie erschaffst? Planst du im Voraus oder ist es eher ein spontaner Akt?

Ich sammle meine Ideen zusammen mit kleinen Zeichnungen in einem Notizbuch. Manchmal sehe ich ein Licht, dass mir gut gefällt. Woanders sehe ich dann Gesten bzw. Momente, bei denen ich denke, dass sie sich wunderbar für ein Foto eignen. Als Beispiel würde ich den reinen Akt, einen Pullover über den Kopf zu ziehen, nennen. So setze ich mir Stück für Stück das zusammen, was ich später fotografieren will.

5. Was ist dein Lieblingsmoment, wenn du an einer neuen Fotoserie arbeitest?

Für mich ist es der Akt des Fotografierens selbst, der mich am meisten erfüllt. Nicht das was davor oder danach passiert, sondern das, was während den Aufnahmen passiert.

6. Was ist der Unterschied zwischen Berlin und Istanbul für dich?

Beide Städte sind definitiv sehr unterschiedlich. Istanbul schläft nie. Dort herrscht ein konstantes Kommen und Gehen von Energie, wie die Schiffe von einer Seite zur anderen Seite des Bosporus. Dort habe ich auch besseres Licht. Ich arbeite vor allem mit natürlichem Licht und das Wetter in Istanbul eigenet sich dafür sehr gut.
In Berlin habe ich wesentlich mehr Platz für mich als Individuum. Es ist im Vergleich nicht so gedrängt, laut und voller Leute. Hier kann ich mich frei bewegen. Mit dem Licht ist es wiederum etwas schwieriger, da ich hier wesentlich seltener wirklich gutes Licht zum Fotografieren habe.

7. Gibt es irgendwelche Zukunftspläne bzw. -projekte von denen du uns erzählen kannst?

Ja, im Dezember habe ich meine erste eigene Einzelausstellung namens „Herstory“ in Istanbul (03.12.15-02.01.16). Es gibt auch einige Wünsche, die ich eines Tages gerne verwirklichen würde. So würde ich gerne einmal etwas im Selbstverlag veröffentlichen oder Texte zu meinen Bildern schreiben. Zusätzlich will ich meinen Bildern eine eindeutigere Botschaft verleihen und mich mehr politisch äußern.

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