Jugend – Lebensphase oder Lebenseinstellung?

Zwischen Feierirrsinn und Berufsalltag, kulturellem Aktivismus und exzessiver Clubfreizeit bleibt nicht viel Zeit um ‚erwachsen‘ zu werden.
Das Spannungsfeld zwischen sporadischem Glücksrausch und phasenweisem Totalabsturz bietet viel Raum um ‚für immer jung‘ zu bleiben.

Völlig bekifft saß ich auf der Couch meines besten Kumpels, auf der ich nach meiner BackpackWeltreise seit nun mehr über 3 Monaten schlief.
Gerade versuchte ich dem Monologs meiner kleinen Schwester zu folgen.
Sie ist 11 Jahre jünger und besuchte mich zur Zeit in Berlin.
Gerade schien sie allerdings etwas aufgebracht aufgrund meines Lebensstils – wenn ich sie richtig verstand, denn eigentlich war ich zu breit um ihr inhaltlich zu folgen.

Peter-Pan Syndrom, oder einfach nur die Freude am Leben: was ist Jugend?

Peter-Pan Syndrom, oder einfach nur die Freude am Leben: was ist Jugend?

 

Ich meinte jedoch leise Kritik an meiner aktuelle Lebenssituation herauszuhören. Zu allem Überfluss setzte bei mir nun auch noch ein Lachflash ein. Was nicht bedeutet, das ich sie nicht ernst nahm.
Doch was sollte ich tun, wenn ich mir nicht sicher war, wohin es in Zukunft gehen sollte?
Wer weiß schon, was er werden will, wenn er ‚groß‘ ist?
Ich überlegte kurz ihr von meinem Plan, der linke Power-Ranger zu werden, zu erzählen, entschied mich dann jedoch dafür, vorerst darüber zu schweigen.

„Das ist nicht lustig Jessica! Du bist über 30 Jahre alt … und wie du lebst … normal ist das nicht!
Hast du eigentlich jemals vor erwachsen zu werden?“
Gute Frage!

Ich war mir nicht sicher, ob ich das vor hatte. Bisher hatte ich mir diese Frage nicht gestellt. ‚Erwachsen’. Was zur Hölle ist das eigentlich und was müsste ich tun, um es zu werden?
Und war ich nicht aufgrund meines Alters sowieso schon erwachsen?
Ich darf wählen und Auto fahren und ins Casino und mir in der Videothek ‚erwachsenen Filme’ leihen.
Wie viel erwachsener sollte ich denn noch werden?

Ich muss an dieser Stelle gestehen, dass meine Schwester mit ihrer Ansicht über mein Leben nicht alleine dastand. Gelegentlich bescheinigte mir meine Umwelt ein akutes Peter-Pan-Syndrom. Menschen, die mich lange nicht gesehen hatten stellten überrascht fest, dass ich mich ‚kein Stück verändert hatte‘. Ich nahm das eher als Kompliment, denn grundsätzlich es nicht so, dass ich verzweifelt an meiner Jugend festhalten würde – im Gegenteil.

Über 30 und Deine Lieblingsfarbe ist immer noch rosa? Keine Angst, Du bist nicht allein...

Über 30 und Deine Lieblingsfarbe ist immer noch rosa? Keine Angst, Du bist nicht allein…

Ich liebte zwar noch immer die selben Dinge, hörte die selbe Musik, mochten den gleichen Kleidungsstil, doch über die Jahre hatte ich zudem durchaus einen bunten Strauß an Lebenserfahrung gesammelt.
Doch weder Erfahrung noch Bildung schienen mir einen ‚erwachsenen Status‘ zu sichern.
Bis heute ist mir nicht klar, worin sich die Jugend vom erwachsenen Alter unterscheidet.
Ist es für einen Menschen überhaupt notwendig, dass sich diese Phasen seines Lebens signifikant unterscheiden?

Und falls ja: Weshalb?

Wieso sollte ich ab einem gewissen Alter plötzlich kein Interesse mehr an Seifenblasen oder Glitzerschminke haben?
Besteht denn wirklich Notwendigkeit irgendwann die Turnschuhe gegen ein Business-Outfit einzutauschen?
‚Erwachsen sein‘ assoziiere ich mit ‚unlustig sein‘ und vermutlich mangelt es mir deshalb auch an der nötigen Bereitschaft erwachsen zu werden.
Jugend dagegen bedeutet für mich leben in seiner unbeschwertesten Form.
Was nützte es, das Leben zu ernst zu nehmen, wenn es doch mit dem Tod endet?
Für mich ist die Jugend keine Lebensphase, sondern eine Einstellung, die man sich unabhängig vom Alter bewahren kann.
Eine Einstellung mit der man nie zu alt für Hüpfburgen oder das IKEA-BälleLand ist.

Voll geil: erwachsen sein und trotzdem Scheiße bauen.

Voll geil: erwachsen sein und trotzdem Scheiße bauen.

Jugend ist kein optisches Kriterium oder ein Synonym für Faltenfreiheit.
Jugend kann man sich meiner Meinung nach bis ans Lebensende bewahren.
Die Jugend kleidet sich nicht im Anzug um Autorität oder Professionalität zu signalisieren.
Sie ersetzt den Ernst des Lebens lieber gegen die Freude am Leben.            Das schätze ich so an ihr.

Letztendlich habe ich die Notwendigkeit des erwachsen Werdens bis heute nicht verstanden.
Doch weshalb sollte ich auch in ein Alter kommen, in dem ich meiner Jugend hinterher trauere, wenn ich sie doch für immer genießen kann?

[infobox bg=“redlight“ color=“black“ opacity=“on“ subtitle=“www.umweltverschmidtzung.net“]Jessica Schmidt[/infobox]

Jesica Schmidt, Superlative Görl aus Börlin, schreibt bei uns exklusiv über dies und das, je nachdem was ihr halt gerade auf der Seele liegt.

Wir freuen uns sehr, das sie mit am Start ist und sind gespannt auf viele weitere Artikel aus ihrer Feder.

Löve

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