Maike Mohr – Fierce Queen

Meine erste Begegnung mit Maike Mohr fand vor mittlerweile sechs Jahren statt. Eine gemeinsame Bekannte hatte sie im Schlepptau um damals noch im Hafenklang Exil vor der legendären Blockparty bei einem Fotoshooting teil zu nehmen das ich mit einem befreundeten Photograph organisiert hatte. Am Anfang dachte ich, wer ist dieses komische Mädchen, warum redet sie nicht mit mir, sie kam auch nicht wirklich verschüchtert rüber, dafür strahlte sie einfach zu viel Power aus. Dann einmal vor der Kamera ging es los, wenn Maike ihren Körper „anknipst“ knistert die Luft und sie lieferte eine perfekte Pose nach der anderen. Mir bliebe der Mund offen stehen und da hatte ich sie noch nicht auf der Bühne tanzen sehen! Jetzt, nach Jahren gemeinsamer Arbeit und vielen Gesprächen in denen wir uns besser kennengelernt haben, kann ich nur sagen ich könnte mir nichts vorstellen was besser zu ihr passt als Tanz. Diese kleine, ruhige Person die manchmal ganz verträumt und elfenhaft durch das Leben zu schweben scheint entwickelt auf der Bühne eine unglaubliche Energie, die einen einfach mit reißt und das ist eine Gabe, die nicht viele Menschen besitzen. Maike Mohr ist eine Naturgewalt und es lohnt sich in jedem Fall sie einmal live zu erleben. Ich bewundere sie sehr für Ihren Mut, ihren Willen und ihre Menschlichkeit, aber wie ist das eigentlich, das Leben als professioneller Tänzer?

Maike Mohr Hamburgs Vogue Queen No.1

Maike Mohr Hamburgs Vogue Queen No.1

Im folgenden Interview gewähren wir Euch einen Einblick in das Leben von Hamburgs Vogue Queen No.1: Maike Mohr.

Maike, für die Leute die Dich nicht kennen, wie alt bist Du, wo liegen Deine Wurzeln, seit wann tanzt Du und womit verdienst Du Dein täglich Brot?
Hallo 🙂
Mein Name ist Maike Mohr, ich bin 25 Jahre alt und bin in Hamburg geboren und lebe seitdem auch in Hamburg.
Ich arbeite als Tänzerin, Choreographin und Trainerin/Coach.
Angefangen zu tanzen habe ich vor ca. 10 Jahren.

Tänzer haben ja meistens einen besonderen Menschen der sie zum tanzen motiviert, gab es so jemanden bei Dir und wenn ja, wer ist das und erzähle uns doch etwas über Eure erste Begegnung und wie es dann weiterging.

Es ist ja immer schwer festzulegen wann man wirklich angefangen hat, zu tanzen…
Ich habe z.B auch als Teenie immer schon mit meiner besten Freundin zuhause getanzt, ich war auch in einer Tanz-AG in der 5ten Klasse, damals war das aber eher „Hobby“ als die größte Leidenschaft.
Erstaunlich war damals schon, dass ich unbedingt auf die Bühne wollte, obwohl ich eigentlich unendlich schüchtern war.
Mit ca. 15 Jahren ist dann da aber irgendwas bei mir passiert. Ich hatte auf einmal nur noch im Kopf, dass ich unbedingt tanzen muss und habe mir dann einen Kurs gesucht.
Zufällig kam ich zu dem Kurs von „Julie Pecquet“, die mich total fasziniert hat.
Da war ich sofort Hin und Weg!
Das war nicht unbedingt ein Anfänger-Kurs, ich weiß noch das ich es am Anfang nicht leicht hatte. Aber ich hab soviel geübt bis ich es konnte.
Über Julie habe ich dann auch Einblick in die ganze Tanzwelt bekommen, Sie hat mir viel beigebracht. Auch heute noch sind wir im Kontakt und sie ist so etwas wie meine „Tanzmama“.

Maike Mohr Tänzerin & Vouging Queen

Maike Mohr Tänzerin & Vouging Queen

Mit welchem Tanzstil hat alles angefangen und gab es große Umwege bis Du dahin gekommen bist wo Du jetzt stehst?



Damals habe ich mit Hip Hop angefangen.
Ich war immer schon sehr extrovertiert in meinen Bewegungen, sehr groß und extrem.
Deswegen habe ich dann bald auch mit Krumping angefangen.
 Dieser Stil hat mich lange begleitet und geprägt, auch wegen der Ausdrucksstärke und der Power.
Ich war in meiner bisherigen Tanzkarriere eigentlich immer sehr aufgeschlossen gegenüber Tanzstilen, ich habe eigentlich nie nur eine Sache gemacht, aber ich hatte schon Phasen, die von einem Stil dominiert waren, wie zB beim Krumping.
Ich habe viele Workshops und Inspiration mitgenommen als ich auf meinen Tanzreisen, z.B.  in Paris war.
Ich habe unter Anderem Dancehall und Waacking auch schon sehr früh kennengelernt.
Irgendwann kam dann Vogueing dazu.
Vogueing hat für mich gleich total gepasst, weil ich mich immer schon für Fotos und Kostüme interessiert habe. Damals habe ich selbst viel selbst photographiert und auch viele Selbstportraits gemacht oder ich wurde von anderen Photographen abgelichtet. Daher hatte ich eigentlich schon den Bezug zu den Posen. 
Die Verbindung von Posen, Mode, Tanz und Ausdruck hat also einfach total gepasst.
Heute merke ich eigentlich erst wie sich die Einflüsse aus all den Stilen, die ich gelernt habe, verbinden lassen und das sich alles irgendwo wiederfindet und irgendwie Sinn ergibt.

Maike Mohr Tänzerin & Vouging Queen

Maike Mohr Tänzerin & Vouging Queen aus Hamburg

Krumping ist ein sehr schneller, expressiver Freestyle Tanz der in der afro-amerikanischen Gemeinde von South Central Los Angeles entstanden ist.
Neben dem Clowning ist dies der Tanzstil der in dem Film „Rize“ von David LaChapelle über die Grenzen Amerikas berühmt und auch einem breiteren Publikum zugänglich gemacht wurde.
Hier der link zum kompletten Film: http://www.davidlachapelle.com/film/
Momentan ist Deine große Leidenschaft ja das Vogueing, wie würdest Du Deinen Vogue Stil beschreiben?

Für mich ist beim Vogueing der Ausdruck und die innerliche Einstellung das allerwichtigste.
Beim Vogueing ist wichtig, dass man an das glaubt, was man da tut und es zu 100% lebt, ohne sich verstecken zu wollen.
Ich erkläre meinen Schülern auch immer wieviel das ausmacht ob man eine Pose fühlt und versteht oder ob man einfach nur seinen Körper formt, ohne Ausdruck.
Mein Stil ist definitiv inspiriert von allem, was ich bisher gelernt habe. Zum Beispiel hilft mir alles, was ich im „Popping“ gelernt habe, total beim Vogueing.
Ich denke mein Vogue-Stil ist aber auch immer sehr abhängig von meiner Tagesform und kann nicht unbedingt so auf ein Schema festgelegt werden.
Vogueing ist aber definitiv immer für mich Stärke und Ausdruck.

Vogue oder Vogueing. Ursprünglich entstand der Tanzstil in den 60ern in der Ballroom-Szene der homosexuellen Subkultur New Yorks. In Anlehnung an die Körperhaltungen und Posen der Models entwickelten sich die typisch streng linearen und rechtwinkligen Arm-und Beinbewegungen.
Die größte Medienaufmerksamkeit erreichte wohl Madonna mit ihrem gleichnamig betitelten Song und dazugehörigem Video „Vogue“ in den 90ern.
Momentan feiert Vogue ein Comeback in der Szene.
Die Berliner Vogue Tänzerin Georgina veranstaltete beispielsweise in diesem Jahr zum zweiten mal den Vogue Ball in Berlin.
Der Dokumentarfilm „Paris is Burning“ bietet einen unglaublich beeindruckenden und intensiven Einblick auf die Entstehungsgeschichte des Vogueing und ist jedem tanzbegeisterten zu empfehlen.

Maike Mohr Tänzerin & Vouging Queen aus Hamburg

Maike Mohr Tänzerin & Vouging Queen aus Hamburg

Dein Körper ist Dein Kapital, wie achtest Du auf ihn?
Ich achte wirklich sehr auf meine Gesundheit und auf das, was mein Körper mir sagen will.
Ich habe irgendwann mal beschlossen, mit meinem Körper zusammenzuarbeiten, ich denke viele Tänzer machen das anders 🙂
Auf Ernährung achte ich natürlich stark.
Ich esse so gut wie nie Zucker und trinke wenig Alkohol und esse allgemein sehr gesund und ausgewogen.
Diäten mache ich eigentlich auch nie, denn ich brauche ja meine Power zum Tanzen. Wenn man sich gesund ernährt, braucht man das auch gar nicht!
Auch beim Training versuche ich auf meinen Körper zu hören.

Ich war kürzlich gerade verletzt.
Das ist natürlich als Berufstänzer sehr ärgerlich weil man natürlich eine Zeit lang kein Geld verdienen kann.
Für mich geht der Körper aber immer vor.
Ich habe mich wirklich diszipliniert geschont, auch wenn mir das (alleine vom Energiepensum her) sehr schwer fiel.
Das schöne war aber auch, dass mich alle meine Leute unterstützt haben und niemand erwartet hat, dass ich mit Schmerzen tanze oder ähnliches.
Ich hatte in der Zeit sogar einen Auftritt, bei dem ich mich dann auf meine Arme und Hände konzentriert habe.
(Das ist dann auch wieder das schöne wenn man durch die vielen Stilrichtungen mit jedem Körperteil jede Menge anzufangen weiß)

Maike Mohr Tänzerin & Vouging Queen aus Hamburg

Maike Mohr Tänzerin & Vouging Queen aus Hamburg

Beschreibe uns doch bitte einmal eine typische Woche von Dir.

Das kommt natürlich immer darauf an, was für Projekte gerade am Start sind.
Ich bin eigentlich immer an irgendwelchen Projekten dran, für die ich plane und organisiere oder probe.
Ein fester Bestandteil meiner Woche sind meine Kurse und oft bin ich an Wochenenden bei Auftritten.
Das variiert aber auch phasenweise.
Manchmal habe ich auch unter der Woche Auftritte oder Videodrehs. 
Feierabend gibt es bei mir jedenfalls nicht. Ich bin immer am Machen und Tun.
Das fällt aber auch nicht schwer wenn man seine Leidenschaft seinen Job nennen darf 🙂

Du unterrichtest ja auch, was fasziniert Dich daran?

Das Unterrichten ist das einzige, was bei mir Regelmäßig passiert.
Das ist schon mal super.
Ich bin total gerne frei, aber so ein bisschen Struktur tut auch schon wirklich gut!
Und ich hab ne Menge total toller, talentierter Schüler.
Es macht mich immer sehr stolz wenn ich sehe wie sie sich weiterentwickeln!
Ich lerne auch immer wieder selbst unheimlich viel beim Unterrichten!
Zum einen weil man natürlich Moves sehr oft durchgeht und sich selbst dann auch mittrainiert, aber auch auf der persönlichen Ebene habe ich bisher so viel gelernt.
Zum Beispiel fiel es mir damals in der Schule so schwer vor Menschen zu sprechen, damit habe ich kein Problem mehr seit ich regelmäßig unterrichte.

Man muss zwar sein Geld verdienen aber alles will man ja auch nicht mit machen, wann ist für Dich der Punkt an dem Du sagst okay, das geht mir jetzt zu weit bzw. was würdest Du nie machen?

Hmm.. Schwer so zu definieren. Bei mir ist das eigentlich immer Gefühlssache.
Grundsätzlich bin ich offen für alles.
Man spürt aber meistens schon was zu einem passt und wo man lieber die Finger von lässt.
Es gab auf jeden Fall auch schon Situationen, in denen ich gut bezahlte Dinger abgelehnt habe, weil ich das Gefühl hatte, das passt nicht so zu mir.

Maike Mohr Tänzerin & Vouging Queen aus Hamburg

Maike Mohr Tänzerin & Vouging Queen aus Hamburg

Wie würdest Du die Tanzszene in Deutschland beschreiben und was würdest Du Dir  verstärkt wünschen?

Es gibt so wahnsinnig viele, verschiedene Tanzszenen. Ich würde gar nicht sagen, dass es da die eine Tanzszene gibt.
Schön ist auf jeden Fall, dass ich mit vielen verschiedenen Szenen in Berührung komme und eigentlich jeder eigenen Welt etwas abgewinnen kann. Ich finde das immer sehr spannend, überall gibt es tolle Talente und ganz eigene „Regeln“.
Insgesamt würde ich mir mehr Offenheit wünschen. Ich hab das Gefühl, viele gehen einen „vorgeschriebenen“ Weg und wollen so sein wie die anderen und besonders gut „reinpassen“. 
Für mich hat Tanzen nichts mit Anpassung zu tun, Tanzen bedeutet Freiheit für mich.
Das würde ich gerne noch mehr zu spüren bekommen.

Was sind Deine nächsten anstehenden Projekte und Ziele?

Ach, da gibt’s natürlich ne Menge! Ein größeres Ding plane ich jetzt gerade, das ist aber noch geheim :-)
Auf meiner Seite www.maike-mohr.de gibt’s jedenfalls immer Updates!

Janny Schulte

Even though my mom raised me right that rap shit saved my life and sometimes I may look kinda funny but ain´t no fool cause whatever I want to do I make it clever. Still life as a shorty shouldn´t be so rough but I´m leaving the past cause I learned I´m the only motherfucker that can change my life.

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