Rudimental – Electro-Quartett mit hausgemachter Musik

Rudimental, Bild: Warner Music

Was ein Samstag! Alles stand im Zeichen von Rudimental (und große Ghetto-Hoop-Ohrringe und dicke goldene Fake-Ketten kaufen. Aber das ist eine andere Geschichte). Die vier Jungs aus Hackney, London, waren mit ihrem Mix aus Drum’n’Bass, House, Dub Step, R’n’B und wie sie nicht alle heißen in der Stadt und Superlative Contributor Andra Wöllert hat sie von vorne bis hinten begleitet: Interview, Konzert und Aftershow Party mit Piers, Leon (DJ Locksmith), Kesi und Amir. Yes!

Text: Andra Wöllert, Bilder: Andra Wöllert, Warner Music

Andra Wöllert

Andra Wöllert

Das Konzert von Rudimental im Übel & Gefährlich war ausverkauft, schweißtreibend und eine richtige Wohltat. Kennt ihr das, wenn ein Konzert schlicht und einfach Spaß macht? Die vier Briten sind eben Vollblutmusiker und haben sich von drei fantastischen Sängern begleiten lassen. Lieblingsmoment: Als die Jungs von der Bühne gingen, stimmte das ganze Publikum den Refrain eines ihrer größten Erfolge an. „You know I said it’s true, I can feel the love, Can you feel it, too?, I can feel it ahah, I can feel it ahah.“ Nach etlichen Wiederholungen kam die Band dann zu einer ebenso schönen Zugabe wieder zurück. Im offiziellen Interview mit Kesi (ganz vorn im Bild) habe ich dann mehr über die mehrmaligen UK-Charttopper rausgefunden. And there we go:

Rudimental, Bild: Warner Music

Rudimental, Bild: Warner Music

Ich habe irgendwie das Gefühl, ihr habt nicht alle den gleichen musikalischen Background. Welche Projekte habt ihr vorher gemacht oder macht ihr nebenbei und wie habt ihr am Ende als Band zusammengefunden?

Kesi: Wir kennen uns eigentlich schon seitdem wir Kids sind. Wir sind zusammen zur Schule gegangen. Es ist großartig mit seinen besten Freunden von damals Musik zu machen und die Welt zu bereisen. Wir kennen uns einfach in- und auswendig – wie Brüder. (Amir kam erst nach Bandgründung dazu.)

Wir haben damals verschiedene Instrumente gelernt. Ich Klavier, Piers ein bisschen Jazz Piano, Amir hat Gitarre und Bass gelernt und Leon hat aufgelegt. Solche Sachen halt. Als ich Teenager war, hab ich meist Hip Hop gehört. Die Fugees und Lauryn Hill haben mich sehr beeinflusst. Piers war und ist Blues und Jazz Fan. Er hat viel von seinem Vater mitbekommen. Amir stand auch auf Hip Hop, aber auch auf Gitarrenmusik. Und Leon hat aufgelegt – Garage, House, Jungle und Drum’n’Bass. Unsere Eltern haben auch viel Soul gehört. Alle diese Stile zusammen haben unseren Sound geformt und formen ihn eigentlich auch noch bis heute.

 

Und dann kam das Jahr 2010 (Gründungsjahr) und ihr so: „Okay, lass was zusammen machen“?

Kesi: Als wir aufgewachsen sind, waren wir zwar Freunde, aber jeder hat für sich Musik gemacht. Dann sind Piers und ich vor sieben, acht Jahren für eine Weile zusammengezogen. Ich hab ihn dann öfter gefragt: „Was hältst du von diesem Stück?“ Und er hat welche von sich gezeigt. Dann lief meist so nach dem Motto „Schick es mir und dann arbeite ich ein bisschen dran und schick es dir wieder zurück“ und umgekehrt. Wir haben mehr und mehr Musik untereinander rumgereicht und so entschieden wirklich zusammenzuarbeiten. Das hat sich gut entwickelt. Wir wurden besser und besser. Und wenn wir jetzt Musik machen, machen wir das wie eine klassische Band. Wir jammen zusammen Ideen aus usw. Die Ideen zur Musik kommen zuerst, dann schreiben wir die Lyrics und legen noch das Elektronische drauf.

Rudimental, Bild: Warner Music

Rudimental, Bild: Warner Music

Was sind die Rudimental Essentials? Was kann ich immer erwarten, bevor ich überhaupt den Play-Knopf drücke?

Kesi: Du bekommst einen Song, der eine Emotion hervorruft. Es bringt dich zum Tanzen, Lachen und Feiern. Oder es bringt dich zum Nachdenken. Auf die eine oder andere Weise wird eine Emotion hervorgerufen.

Ihr arbeitet ja immer mit Feature-Artists zusammen. Wie läuft das ab? Schreibt ihr immer die Lyrics, oder machen sie das?

Kesi: Es kommt auf den Song und den Künstler an. Ich kann dir mal zwei sehr unterschiedliche Beispiele geben. Eins ist John Newman für „Feel the Love“. John kannte man vorher nicht, er hat mit seiner Gitarre in einer Bar bei uns um die Ecke gesungen. Wir haben den Song geschrieben, ich habe ihn erst eingesungen – manchmal bereiten wir die Templates für die Sänger vor – John Newman kam dann ins Studio und hat einfach die Vocals für uns beigesteuert. Auf der anderen Seite, als Emeli Sandé ins Studio kam, haben wir die Musik komponiert und die Lyrics mit ihr zusammen geschrieben. Sie hat eigentlich den Großteil des Songs selbst verfasst. So oder so wir sind immer bei den Künstlern – von Anfang bis Ende. Wir schreiben kein Stück, schicken es jemandem und sagen: „Schick es dann wieder zurück.“ Das machen wir nie, wir müssen immer dabei sein.

Das Besondere an Rudimental ist, dass ihr euren Feature-Artists viel Raum im Song gebt . Habt ihr keine Angst, dass der Sänger das Gesicht eures Songs wird? Emeli Sandé feat. Rudimental sozusagen.

Kesi: Ich weiß, was du meinst. So kann es rüberkommen. Aber das ist kein Problem für uns. Das Ding ist die Musik – etwas, dass sich gut anfühlt, dass sich wie ein Rudimental-Projekt anhört. Es bleibt also immer ein Rudimental-Feature und nicht anders herum. Wir wollen einfach Musik machen, auf die wir stolz sind. That’s it!

In einem Radiointerview hat einer von euch gesagt, das Wichtigste sei, eure Songs live zu spielen. Ihr könnt aber nicht immer alle eure Feature-Artists mitnehmen. Wie sorgt ihr dafür, dass das Publikum trotzdem zufrieden nach Hause geht?

Kesi: Wir finden immer wahnsinnig gute Sänger. Die Leute mögen sie jetzt noch nicht kennen, aber in ein paar Jahren blicken sie zurück und sagen „Oh, ich hab John Newman mit Rudimental performen sehen.“ Und dann erst realisieren sie, dass sie damals einer der ersten waren, die ihn live gesehen haben. Wir haben immer besondere Artists auf der Bühne, auch wenn es nicht die eigentlichen Personen von der Platte sind. Aber wenn wir live spielen, kommen drei Sänger mit, damit zu jedem Song auch eine der Stimmen passt. Und die Songs, die sie singen, werden vorher anhand ihres Stils ausgewählt. Es hat sich jedenfalls noch niemand beschwert, dass die Originalsänger nicht dabei sind. Die Leute haben einfach eine gute Zeit mit uns. Wir sind zehn Leute auf der Bühne. Das ist eine große Party. Das Publikum macht nie den Eindruck, als würde ihm was fehlen.

Ist bei dieser Tour ein Original-Sänger dabei?

Kesi: Nein, die sind jetzt alle gesigned und haben uns verlassen. (lacht.)

Soundcloud Rudimental feat. Emeli Sandé und Nas

 

 

Werdet ihr in diesem Sommer wieder viele Festivals spielen? Auch in Deutschland oder den Nachbarländern?

Kesi: …Jjjjjjjjjjjjja…

 

Noch nichts Offizielles?

Kesi: Noch nichts Offizielles. Aber ich bin mir ziemlich sicher, wir werden zur Festivalsaison zurück in Deutschland sein. Wir haben letztes Jahr beim Melt! gespielt. Das war großartig. Da würden wir noch mal spielen – oder eben ein anderes. Ich kann jedenfalls fast garantieren, dass wir bei einem deutschen Festival im Sommer zu sehen sein werden.

 

Habt ihr schon neues Material in der Pipeline?

Kesi: Wir arbeiten jetzt gerade an dem neuen Album. Letzten Monat waren wir nur im Studio. Wir haben ein paar großartige Songs und sind super aufgeregt, sie endlich den Leuten zu zeigen. Eigentlich haben wir drei, vier neue Songs in unser Set für die Tour gepackt. Wir spielen also jetzt schon Songs vom neuen Album, dabei sind die noch nicht mal fertig. Aber das ist gut. So finden wir raus, wie wir sie am besten fertigstellen. Als Livemusiker ist jede Show sowieso ein bisschen anders. Mal kommt zum Beispiel ein bisschen mehr Gitarre dazu und danach heißt es: „Das war ziemlich cool. Lass uns zurück ins Studio gehen und das einbauen.“ 80 Prozent des ersten Albums waren eigentlich unfertig, als wir schon getourt sind.

Rudimental live in Hamburg

Rudimental live in Hamburg

 

Und bleibt ihr dann bei den Feature-Artists oder werdet ihr auch mal singen?

Kesi: Wir werden niemals singen. Wir mögen ganz besondere Stimmen und wir sind nicht die besten Sänger. Da draußen gibt es viele Talente. Wir lassen lieber die ran.

Wo wir grad bei Talenten sind. Ich stand beim Melt!-Festival neben Amir als Disclosure gerade gespielt haben und wir haben kurz darüber geredet, wie viele quasi Noch-Kids schon erfolgreich sind und auch so ein Wahnsinnsgefühl für gute Musik haben. Seid ihr davon beeindruckt bzw. nehmt ihr das sogar als Bedrohung wahr?

Kesi: Ich finde das aufregend, Acts wie Disclosure beim Durchbruch zuzusehen – oder auch anderen wie MNEK oder Ella Eyre. Mit denen haben wir schon gearbeitet und sie sind auch erst 19, 20 und haben so viel Talent. Und es zeigt auch, dass die Dance-Musik-Szene gerade gut aufgestellt ist. Außerdem ist es spannend, Disclosure beim Produzieren von House und Garage zu beobachten, obwohl sie das für ihr Alter eigentlich gar nicht kennen dürften. Aber sie machen das einfach gut. Ich bin ein großer Fan. Ich freu mich auf viel gute Musik von diesen sehr jungen Künstlern. Das macht das Leben doch nur noch besser.

Cool, jetzt weiß ich, was und wer hinter Rudimental steckt. Danke!!!

Kesi: Ich danke dir!

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