Shanghai Rain Room – Sanfter Kultur-Regen in China

Shanghai Rain Room

MoMA holt Künstlergruppe Random International mit ihrem Rain Room nach China. Die Dürre für zeitgenössische Kunst scheint damit beendet.

Text: Melanie Müller         

Shanghai Rain Room

Shanghai – Monotones Rauschen kommt einem entgegen in dem kurzen, dunklen Gang im YUZ-Museum. Dann steht man vor einer Wasserwand. Eine hundert Quadratmeter große Fläche, in der es regnet. Das Besondere: Wer diese künstliche Regenzone betritt, wird trotzdem nicht nass.

Shanghai Rain Room

Prof. Dr. Jochem Heizmann, Präsident und CEO der Volkswagen Group China und Mitglied des Vorstands der Volkswagen AG; Budi Tek, Gründer des Yuz-Museum; Hannes Koch, Künstler und Gründer Random International; Florian Ortkrass, Künstler und Gründer Random International; Klaus Biesenbach, Direktor MoMA PS1 und Curator at Large at MoMA

Erst vergangenes Jahr wurde das YUZ-Museum in Shanghai eröffnet und schon jetzt ist es eine der wichtigsten Begegnungsstätten für moderne Kunst und Kultur. So ist es auch nicht verwunderlich, dass der Rain Room der Künstlergruppe Random International, der schon Kunstinteressierte ins Londoner Barbican, nach New York und LA lockte, jetzt durch die Unterstützung von MoMA und Volkswagen auch die Bewohner der chinesischen Metropole begeistern soll.

Und das in einem Land, in dem bis vor kurzem gerade ein staatliches Museum zeitgenössische Kunst zeigte. Dies soll sich mit dem neuen Bebauungsplan für das ehemalige Expogelände von 2010 am Pu Dong-Fluss ändern. Bisher galt Beijing als Kulturhauptstadt in China, Shanghai sucht den Anschluss. Neben hohen Wohnsilos soll am sogenannten „West Bund“ eine Kunstmeile entstehen – finanziert durch eine staatliche Immobilienfirma.

Shanghai Rain Room

Shanghai Rain Room- Seitenansicht des Long Museums.

Architektonisch beeindruckend entstand dort schon das Long Museum. Kunst von der Kaiserzeit bis zur Moderne muss sich gegen den hohen Betonwandbau der Architekten von Atelier Deshaus thematisch durchsetzen. 50 Meter weiter steht das Shanghai Center of Photography des Fotojournalisten und Pulitzer Preisträger Liu Heung Shing. Das Gebäude wurde 2013 von den amerikanischen Architekten Sharon Johnston und Mark Lee für die Art Biennale entworfen und beherbergt jetzt durchaus interessanten Sammlungen von Fotografen wie Cornell Capa, der China portraitierte oder auch William Eggleston. Und dann kommt schon das YUZ-Museum von Direktor Budi Tek in einem umgebauten Flugzeughangar. Ein indonesich-chinesischer Visionär mit einem Hang zu großen, internationalen Produktionen.

Was passt also besser, als eine publikumsträchtige Installation wie den Rain Room nach China zu holen? Populistisch, kritisch und absolut im Zeitgeist – gerade vor dem Hintergrund der Dürre, die seit Jahren LA austrocknet.

Shanghai Rain Room

Shanghai Rain Room

Ursprünglich sollte der Rain Room zeigen, dass es möglich ist, dass man das Wetter beeinflussen kann: ob es regnet – oder eben nicht. Stattdessen hat es einmal mehr gezeigt, dass der Mensch es nicht einfach regnen lassen kann. Steht man einmal im Rain Room bleibt der Regen an dieser Stelle unerreichbar.

Ermöglicht wird das durch Sensoren und 3D-Kameras, die im ganzen Raum den Standort der Personen ermitteln, um dann den Regen an den Positionen auszusparen, an dem sich der Besucher befindet. Simple Technik mit einem großen Effekt. So wird jeder noch so seriöse Besucher fast kindlich, wenn er trocken durch den künstlich inszenierten Sommerregen flaniert. Und diese Technik gibt dann auch die inhaltliche Überleitung zum Sponsor, der zwar Chinas größter Autoimporteur ist, aber hier erstmalig kulturell in Erscheinung tritt. Ein kleiner Schritt in Richtung Regen im Rain Room, ist somit ein großer Schritt in Richtung Kunst in China.

Shanghai Rain Room

In der Nacht füllt sich der Bund in Shanghai. Alle wollen vor der einzigartigen Skyline am Pu-Dong-Fluss ein Foto machen.

Weitere Informationen findet ihr hier

 

 

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