TEN CITIES

Treffen sich fünf Städte aus Europa und fünf aus Afrika und machen geile, neue Mucke: Bei „Ten Cities“ verschmilzt europäische urbane Musikgeschichte á la Dubstep, Techno oder Anarcho Rap mit afrikanischer in Form von südafrikanischem House oder Kuduro.
Mitinitiiert wurde das Projekt von DJ Andi Teichmann (Gebrüder Teichmann) und der hat uns das kurz vor dem „Ten Cities“-Konzert am Wochenende mal genauer erklärt.

 

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Andi Teichmann – Mitinitiator des Ten Cities Projekt

Da lernt Andi Teichmann (ein Teil der DJs Gebrüder Teichmann) einen kenianischen Künstler in Berlin kennen, zieht Bier trinkend mit ihm durch die Nacht, versteht sich blendend, wird bald darauf als DJ zu dessen Vernissage in Nairobi eingeladen und peng ist eines der interessantesten Musikprojekte geboren, dass ich kenne: Ten Cities.

Okay, ganz so einfach war es doch nicht: Erstmal „musste“ Andi am Abend der Vernissage in Nairobi noch ein paar Bier mit Johannes Hossfeld, dem Leiter des Goethe Instituts, trinken. Mit ihm erarbeitete er dann das Projekt „BLNRB“: Junge Künstler aus Nairobi haben mit Jahcoozi, Modeselektor und den Gebrüder Teichmann aus Berlin kollaboriert, einen neuen Sound kreiert, Tracks aufgenommen und Videos dazu gedreht.

Das lief so gut, dass was Größeres her musste, was viel Größeres: „Ten Cities“ war geboren.

 

WHAT IT IS

„Ten Cities“ ist ein Collabo-Projekt zwischen urbanen, alternativen Musikern aus fünf europäischen und fünf afrikanischen Großstädten, die sich gegenseitig besucht und ihre lokale Musikszene gezeigt haben – mit dem Ziel gemeinsam neue geile Mucke zu produzieren. Andi: „’Ten Cities‘ ist eigentlich alles viel zu viel und viel zu groß, aber ich finde es auch gut, wenn’s mal nicht kontrollierbar ist.“ Oder halt so.

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Die Gebrüder Teichmann, die Jungs von Jahcoozi und Gerriet Schulz (WMF) von „BLNRB“ schlossen sich zum Musikkollektiv Adapter zusammen und wurden Kuratoren von „Ten Cities“ und haben sich gut verteilt auf beiden Kontinenten Musiker gesucht.

Musikalisch längst durchgestylte Städte wie Paris, London und co. blieben in Europa außen vor. Bristol oder Kiew waren interessanter. In Afrika ging es darum, junge freshe Musik zu finden, die in Subkulturen, auf der Straße – auf jeden Fall ab vom amerika-inspirierten Kommerz – entstanden ist. Kuduro aus Angola oder südafrikanischer House zum Beispiel.

(Für den, den es betrifft: Believe it or not, Afrika kann mehr als Bongos und Baströcke, Opfer!)

 

 

THE CITIES – THE ARTISTS

Bristol meets Lagos – Pinch & Rob Smith meet Afrologic & Wura Samba
Neapel meets Luanda – Marco Messina (99 Posse) meets DJ Satelite & MC Sacer.(Dot)
Berlin meets Kairo – Jahcoozi & Gebrüder Teichmann meet Bikya & Wetrobots
Lissabon meets Nairobi – Batida & Octapush meet Just A Band
Kiew meets Johannesburg – Dubmasta & Vakula meet Dirty Paraffin

und, und, und…. Insgesamt 50 Musiker, DJs und Produzenten sind involviert.

 

ANARCHO-RAP IM BESETZTEN THEATER

Andi hat u.a. den Austausch Neapel-Luanda begleitet und beneidenswertes Zeug erlebt. „Mich interessieren vor allem die Räume, wo Musik passiert.“ In Italien haben sie mit dem Anarcho-Rapper Marco Messina von der 99 Posse in einem besetzten Theater ein Konzert gegeben. Und in Angola? „Luanda war spannend. Kuduro spiegelt die Gesellschaft wider. Es gibt alles von ‚Reiche-Kids-Kuduro‘ bis ‚Slum-Kuduro‘.“

 

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Er erzählt vom Kuduro in schicken Clubs, wo Champagner geschlürft wird und dem auf der Straße, wo der MC auch seine kritische, politische Stimme erhebt. „Ich wollte eh eher auf die Straße. Das ist das spannendere Pflaster mit einer sehr eigenständigen Musikkultur.“ Und der nice Nebeneffekt: Die gute, alte Exotisierung fällt weg. Sowohl bei den teilnehmenden Künstlern, als auch bei uns.

 

UND WAS HABEN WIR DAVON?

Am Freitag zelebriert „Ten Cities“ sein Finale im Ritter Butzke und alle sind sie da von Kiew bis Kairo, von Lagos bis Lissabon. Und wir können auch alle hin für wahnsinnig faire 12 Euros. „Wir wollen es einem öffentlichen Publikum zugänglich machen. Die Leute bekommen was Neues auf die Ohren. Ob es nun cool oder verstörend ankommt. Ich mag es, Szenen aufzumischen. Egal wo.“ Das passende Album gibt’s übrigens auch und wird vom renommierten UK-Label Soundway rausgebracht. (Kaufempfehlung hiermit erteilt!)

Ten Cities in Nairobi - Warehouse Concert - pic by Paul Munene

Ten Cities in Nairobi – Warehouse Concert – pic by Paul Munene

Damit das alles ganz ordentlich läuft und einen noch größeren Rahmen bekommt, gibt es auch einen wissenschaftlichen Teil.Darin verpflichtet sich das Goethe Institut, die Geschichte all dieser Musikszenen ab den Sechzigern aufzuspüren. Viiiiiel Spahaß!

Andi ist mit der musikalischen Zusammenarbeit jedenfalls glücklich.
„Lokal, global, gestern, heute, Subkultur, Clubkultur – das sollte sich alles verbinden. Hat doch geklappt!“

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