The Ultimate Girlz Court – Freedom is a Choice

The Ultimate Girlz Court – Freedom is a Choice

The Ultimate Girlz Court – Freedom is a Choice

Ich habe sechs Jahre das Streetwear Label Superhorstjansen gemacht und diesen Sommer irgendwann beschlossen es reicht jetzt.
Ich konnte einfach nicht mehr.
Jeder der sich mit Selbstständigkeit und vor allem im Modebiz auskennt wird wissen was ich meine. Mode ist ein wunderschönes,kreatives, weites Feld das unglaublichen Spaß macht, aber sobald man versucht damit Geld zu verdienen rückt all das in den Hintergrund.


Fashion an sich ist wunderbar, aber in dieses Business ist Glückssache und oft alles andere als glamourös.

Deine Ideen, und sind sie noch so gut, zählen eher sekundär, das was interessiert ist, ob jemand bereit ist für deine Entwürfe zu bezahlen.
Es sind unglaubliche Vorinvestitionen, nicht nur monetär sondern auch logistisch, vom persönlichen Arbeitsaufwand ganz zu schweigen, notwendig um überhaupt erst eine Kollektion auf den Markt zu bringen.

Ich rede hier nicht von selbstgestrickten, limitierten Eierwärmern die man auf DaWanda verkauft, hier geht es um Kollektionen die komplett durchstrukturiert sind, vom Stoff, der immer lieferbar sein muss, von Produzenten (finde die erst mal) die geringe Stückzahlen zu bezahlbaren Preisen herstellen und zuverlässig und ordentlich arbeiten.
Größensätze müssen gradiert werden, Samples hin und her geschickt, Ordertermine werden verschoben, der Programmierer wird krank, der goldene Reißverschluss für die Jacke ist frühestens in vier Wochen wieder lieferbar und die Kordel für die Sportsbags wurde aus dem Programm genommen.
Ist das erst einmal alles irgendwie geschafft geht es darum die Teile an den Kunden zu bringen, d.h. Magazine anschreiben, Messen besuchen, vorausgesetzt man kann sich die Standgebühren leisten, Shops akquirieren, alle sozialen Netzwerke bespielen und das täglich….ach Gott ihr seht schon da geht einiges.

Für mich war irgendwann klar, ich mache mich hier gerade zum Sklaven meiner Selbst.
Ich hatte die Freude an meinem Beruf verloren, habe alles nur noch widerwillig erledigt und alle Leute um mich gingen mir nur noch auf die Nerven.
Dazu die ständige Existenzangst, der ewige Kopffick der dich Nachts nicht schlafen lässt, es wurde einfach alles zu viel.
Nach einem Zusammenbruch bei dem ich nur noch Rotz und Wasser geheult habe, habe ich dann den Entschluss getroffen, bis hierhin und nicht weiter.
Am nächsten Tag habe ich alles abgesagt, das Shooting das drei Tage später stattfinden sollte, den Auftrag zu einer Eventplanung den ich zur Fashion Week in Berlin hatte, die Produktion der aktuellen Kollektion abgebrochen, meiner Praktikantin abgesagt die zwei Monat später anfangen sollte und mein Atelier gekündigt.
Keine Kompromisse, keine Ausnahmen, es war vorbei!
Dabei ging es mir erst mal alles andere als gut, ich hatte überhaupt keine Ahnung ob diese Entscheidung die richtige war und vor Allem hatte ich nicht den blassesten Schimmer was danach kommen sollte.


Einfach mal in den Tag hineinleben und unbeschwert lachen?
Eher schwierig wenn man ständigem Druck ausgesetzt ist und andauernde Existenzängste hat.

Ich habe mich die letzten 15 Jahre beruflich mit nichts anderem als mit Mode beschäftigt, ich hatte keine Referenzen, ich war ein Niemand und ich kenne mich, ich und ein 9 to 5 Job, ich, die Menschen als ziemlich abgefuckte Spezies empfindet, megasensibel und launisch ist soll mich jetzt dem „normalen“ Arbeitsmarkt stellen?
In dem Moment war mir alles egal, und wenn ich bei Penny an der Kasse sitze, alles ist besser als diese letzten Monate.
Die Reaktionen der Menschen um mich herum waren unterschiedlich, die meisten oberflächlichen Kommentare waren, oh nein wieso, das was Du machst ist so schön, diejenigen die mich und meine Situation besser kannten haben mich ermutigt diesen Weg weiter zu gehen und was auffällig war, viele Leute die unter ähnlichen Begebenheiten arbeiteten sagten mir, das sie meinen Mut bewundern so etwas aufzugeben und sich ins völlige Unbekannte fallen zu lassen.
Das hilft einem in einer solchen Situation aber auch nicht viel weiter, das was dann alles auf einen zukommt muss man alleine meistern.
Das was die letzte Jahre meinen Alltag ausgemacht hat und mich Tag und Nacht beschäftigt hatte war plötzlich weg, vor mir ein riesengroßes Fragezeichen und dahinter noch mehr Fragezeichen.
In diesem Moment blieb mir nichts anderes übrig als mich fallen zu lassen und auf die Zukunft zu vertrauen.
Ich wusste nichts mehr, nur soviel, ich bin jung, ich bin gesund, ich kann hart arbeiten und irgendwas wird da schon kommen, ich musste die Angst beiseite schieben und ich musste vertrauen, auf was, keine Ahnung?


Auch wenn man absolut nicht weiß was die Zukunft bringt, manchmal muss man einfach auf das Leben und das Schicksal vertrauen.

Ganz langsam fiel die Anspannung von mir ab, plötzlich hatte ich kleine Momente in denen ich vor Freude hätte heulen können.
Kein Druck, keine Verpflichtungen, keine gute Miene zum bösen Spiel.
Ich hatte endlich wieder das Gefühl ich kann atmen, ich kann einfach mal eine Straße entlang schlendern und in die Schaufenster gucken ohne in Gedanken schon beim nächsten Termin zu sein.
Aus der Angst etwas weggeschmissen zu haben entstand, ohne einen konkreten Plan für die Zukunft zu haben, die Gewissheit das ich mein Schicksal in die Hand genommen hatte.
Dieses ewige mich verfolgende, Du musst, hatte sich mit der Entscheidung in Nichts aufgelöst.
Nein ich muss gar nichts, alle Schranken, alle Prinzipien, alle Dogmen habe ich mir selbst konstruiert, niemand außer mir selbst kann entscheiden was mich restriktiert.
Bis auf wenige, zum Überleben essentielle Dinge bin ich frei über mein Leben zu bestimmen.
Wie etwas, wann etwas und warum etwas geschieht sind nicht vorhersehbar aber wie ich damit umgehe das ist meine Macht und sich dieser Macht bewusst zu werden ist ein unglaubliches Gefühl.
Vieles was man im Leben als Wahrheit betrachtet ist eine riesengroße Lüge die man sich ständig selbst predigt.

Auch wenn es im ersten Moment unmöglich erscheint, löst eure Fesseln, macht euch frei, ihr habt nur dieses eine Leben und das möchte gelebt werden!

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Janny Schulte

Even though my mom raised me right that rap shit saved my life and sometimes I may look kinda funny but ain´t no fool cause whatever I want to do I make it clever. Still life as a shorty shouldn´t be so rough but I´m leaving the past cause I learned I´m the only motherfucker that can change my life.

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