THE ULTIMATE GIRLZ COURT – SOCIAL MEDIA = SADO MASO

Social Media my ass, oder warum Facebook und Co. fast schon an Sadomasochismus grenzt.

Social Media = Sado Maso

Fuck ey, ich hasse Facebook.

Ich will nicht wissen wie viele Stunden ich schon vor´m Rechner hing und nur dämlich die Startseite runtergescrollt habe, ohne überhaupt irgend etwas zu sehen, geschweige denn, etwas mit Inhalt zu entdecken das mich bis jetzt wirklich weitergebracht hat im Leben.Versteht mich nicht falsch, ich liebe den Fortschritt, ich liebe neue Techniken (auch wenn ich meistens nur Bahnhof verstehe), aber dieses Social Media Gedöns nimmt einfach ein bisschen überhand.

Ich habe Anfang des Jahres als Social Media Beraterin für einen Fashion Online Shop gearbeitet und abgesehen von meinem megafetten Stundenlohn war da alles komplett beschissen. Ich hätte es besser wissen müssen, was will man von Modeleuten erwarten, die sind alle nicht mehr ganz dicht, aber seitdem hat sich nicht nur mein Urteil über die Modeindustrie wieder bestätigt, sondern ich bin auch noch social-media-gestörter als ich es bisher eh schon war.

FUCK! Ich bin ein Social Media - Opfer

FUCK! Ich bin ein Social Media – Opfer

Was mich ja in allererster Linie zum Social-Media Experten macht sind mein exhibitionistischer Hang, gepaart mit einer Klugscheißerattitüde und mehr unnützem Halbwissen als diese Kackvogelzeitschrift Neon (sorry, aber Neon Leser sind die, die nen Bausparvertrag haben, alles für gute Literatur halten was auf der Spiegel-Bestsellerliste steht und dabei denken sie wären mit nem verfusselten Hipsterbart und einer erbärmlichen Plattensammlung die Krönung der Evolution… ciao!).

Nebenbei mach ich den Scheiß jetzt auch lange genug um zu wissen wie das Game läuft und wenn man eins lernt als Hippiekind das immer nur draußen in der Natur spielt und relativ sich selbst überlassen wird, dann, das es für jedes Scheiß Problem eine Lösung gibt.

Mach mal irgendwie geil, mit ganz vielen Followern und so

So richtig weiß ja eh niemand ob Social Media so richtig was bringt, aber alle müssen mitmachen, von Tante-Lottis-Filzclub bis zu Mercedes Benz und alle wollen dabei so hip und innovativ wie möglich sein. Als ich mit meiner Beratertätigkeit angefangen habe saß ich da erst mal in dem 30qm Büro, mit lauter glattgestriegelten Modetanten, und sollte auf allen Kanälen Gas geben.

Die meisten denken ja, Social Media macht sich mehr oder weniger von alleine, aber weit gefehlt, vor allem wenn es darum geht ein Produkt zu bewerben, das sich noch nicht mal im Regina Regenbogenland mit ganz viel Phantasie von all den anderen Mitbewerbern unterscheidet. Nun ja, alleine was man an Bildmaterial braucht um mindestens 2x täglich einen ganz tollen Post zu kreieren. Gut, auch das ist irgendwie machbar, da sucht man sich Quotes aus dem Netz zusammen (die laufen doch bei allen anderen so gut) und verdonnert die Grafikerin dazu ein hübsches Layout dazu zu basteln.

Als nächstes kommen dann die Kooperationen mit den vermaledeiten Fashionbloggern.
Im WorldWideWeb kommen die Fashionblogs zahlenmäßig gefühlt nach schlechten Pornos, an jeder Ecke lauert das Grauen.

Nun ja, ohne Fashionblogger geht halt heutzutage anscheinend nichts mehr. Das läuft dann ungefähr so ab: Da unsere Sachen so langweilig sind und sich kein Mensch in unserer angestrebten Zielgruppe wirklich dafür interessiert, verschenken wir sie an gutaussehende Mädchen mit narzisstischer Persönlichkeitsstörung, die anderen „modeaffinen“ Mädchen mit zu wenig Selbstbewusstsein erzählen, was gerade voll cooool und total angesagt ist, damit die dann wiederum bei uns kaufen. So Win-Win für alle und so.

yeah Pin-up Pose und viel nackte Haut, ein bisschen blöde gucken und ich bekomme ganz viele likes!

yeah Pin-up Pose und viel nackte Haut, ein bisschen blöde gucken und ich bekomme ganz viele likes!

Ach Gott, fast hätte ich die Gewinnspiele vergessen. Gaaaanz wichtig, denn wenn es was umsonst gibt guckt ja eh keiner mehr so genau hin und drückt einfach auf „gefällt mir“. Dann hofft man auf darauf, das der Schneeballeffekt eintritt und alle mitmachen, so wie beim Ice-Bucket-Dingsbums, da ist ja auch schon egal wer das ganze initiiert hat und worum es eigentlich geht, denn das Credo lautet, PRistPRistPR.
Was auch extrem nervt ist die ständige Alarmbereitschaft in der man sich befindet. Plötzlich um 12 Uhr Nachts brummt das Handy und es leuchtet die Nachricht auf: “bei dem geplanten Post für morgen 7:30 Uhr brauchen wir noch ganz dringend eine Verlinkung zu Firma XYZ, bitte einmal ändern”.
Aaahhhhhhaaahhhhhh yeah, da kommt Laune auf. Das schlimmste daran ist ja nun mal auch, das man sich als halbwegs intelligenter Mensch fragt, wozu das ganze Gedöns, es geht doch hier eigentlich eh um nichts wirklich wichtiges. Ob ich das jetzt morgen um 7:30 oder um 10:00 ändere interessiert doch keine Sau und die Kinder in Afrika hungern weiter wie gehabt.
Im Endeffekt ist das alles halb so wild, wenn die Leute ihr Social Media vernünftig haben wollen und mir dafür einen Haufen Kohle zahlen soll es mir doch egal sein, so funktioniert anscheinend die Welt heutzutage und ich mag zwar ein unverbesserlicher Altruist sein, aber das ich Butter auf dem Brot brauche ist selbst mir mittlerweile klar geworden. Daher die Devise: Du willst es – Du kriegst es.

 

 

Herzblut-aua!

Das war jetzt das Business, wenn es um Sachen geht die einem persönlich am Arsch vorbei gehen. Ganz anders sieht die Sache allerdings aus, wenn es um Projekte geht, die einem am Herzen liegen. Aye, da tut Social Media echt manchmal ganz schön weh. Letztens kam die Ansage: warum zeigt ihr auf Superlative soviel nackte Haut? Antwort: Ja, weil Du Opfer auch die Tittenbilder anklickst und nicht den Artikel in dem es um selbstbestimmte Frauen geht. (Ach ja, abgesehen davon stehen wir auch einfach auf nackte Frauen und finden das es zu wenig wirklich ansprechendes Wichsvorlagenmaterial für uns Frauen gibt, Chippendales nein Danke!)
Weil Du anscheinend auch keine Zeit hast, einen Text, mit mehr als dreihundert Wörtern zu lesen, sondern leicht verdaulichen Schmalspurbloggereinheitsbrei abfeierst. Genauso wie es nicht ausreicht zu schreiben, das es in einem Text um Emanzipation geht, das langweilt ja eh nur, aber wenn das Wort Selbstbefriedigung dazu auftaucht treibt das die Klickzahlen in die Höhe.
Simple as that!
Naja da regt Social Media oft ganz schön auf.

geht ihr mal alle zur Arbeit, ich geh an Strand und zwar ohne Smartphone

geht ihr mal alle zur Arbeit, ich geh an Strand und zwar ohne Smartphone

Mittlerweile bin ich dazu übergegangen morgens NICHT mehr als allererstes auf mein Smartphone zu gucken und zu checken was abgeht, sondern ich mache meinen Sport und nach dem Frühstück gucke ich das Ding erst an. Das hilft schon mal ungemein.

Man wird so hart in diese Welt reingesaugt, das ist manchmal wirklich nicht mehr feierlich. Ganz besonders wenn man beruflich damit zu tun hat ist es wichtig sich immer wieder zu sagen: Nein, das ist nicht die richtige Welt, die richtige Welt spielt sich draußen ab, die richtige Welt, das ist der Mensch, neben dem Du morgens aufwachst und das sind Deine Freunde mit denen Du spazieren gehst und das Handy zu Hause lässt.
So, und jetzt am Ende dieses Gefasels muss ich mir noch überlegen welchen Begriff aus der Headline ich als Keyword benutze „Social Media“ oder „Sado Maso“, was wird wohl mehr Aufmerksamkeit erreichen…

 

Hier gibt es weitere Superlative Kolumnen

 

 

Janny Schulte

Even though my mom raised me right that rap shit saved my life and sometimes I may look kinda funny but ain´t no fool cause whatever I want to do I make it clever. Still life as a shorty shouldn´t be so rough but I´m leaving the past cause I learned I´m the only motherfucker that can change my life.

Be first to comment