THE ULTIMATE GIRLZ COURT – TAKE OFF YOUR COOL

Take off your cool…

Ein Phänomen das mir immer wieder begegnet, das ich nicht verstehe, und für das ich langsam auch kein Verständnis mehr habe ist: „cool sein“.

Mein Schlüsselmoment war auf einer Stussy Party vor einigen Jahren, während der Fashion Week in Berlin.

Das U.S. Label, das die Streetwearszene wie keine anderes geprägt hat, feierte „seinen 30sten Geburtstag“ im Berghain.
Ich war damals schon etwas angefressen von der ganzen Modeszene, und tendenziell eher negativ eingestellt was das ganze Brimborium angeht, aber auf diese Party habe ich mich echt gefreut.
Ich dachte: yoooarrr geiel, Stussy, da geht was.

wer lächelt fordert entweder zum Beischlaf auf, oder kommt frisch aus der Klapse

Also die ganze Posse eingepackt und ab dafür, mit riesiger Vorfreude auf einen inspirierenden Abend. Aber dann: Spaß, Freude, nette Menschen?

Pustekuchen, alle standen nur mit nem Stock im Arsch rum und wehe man hat mal einen angelächelt, entweder wurde das als sofortige Aufforderung zum Beischlaf interpretiert, oder man wurde gemustert als ob man gerade frisch aus der Klapse entflohen sei.

Lächeln ausdrücklich verboten!

Lächeln ausdrücklich verboten!

 

Das einzig inspirierende an dem Abend waren dann, abgesehen von den eigenen Homies, nur noch die Drinks.
Meine fassungslose Frage die mich seitdem begleitet ist folgende: da treffen sich die weltweit coolsten Säue des Business und niemand kann sich locker machen und mal ein bisschen Spaß haben?

Es passiert immer wieder, bei der schicken Streetart Ausstellung in London, Backstage im angesagtesten Club oder beim Launch eines neuen Hipster Modelabels, überall dort, wo vermeintlich besonders kreative Menschen aufeinandertreffen, hat man den Eindruck, das um die Ecke ein Henkerkommando steht, das einen sofort in Gewahrsam nimmt und in kleine Stücke hackt, sollte man es wagen nett und freundlich zu sein.

Was ist denn so schlimm daran fremden Menschen mit einem Lächeln zu begegnen?
Wo entwickelt sich die Kreativszene denn hin, wenn jeder Angst hat, auch nur ein kleines Stück seiner wahren Persönlichkeit zu zeigen und immer den dicken Macker raushängen lassen muss?

 

 

Im Endeffekt sind wir doch einfach nur alle verunsichert.

Kreativ zu ein bedeutet für mich, einen unbewussten Teil seiner Persönlichkeit in ein Werk umzuwandeln und dieses muss, soll es kommerziellen Erfolg haben ergo die Butter auf dem Brot bezahlen, von anderen, außenstehenden Menschen beurteilt und für gut genug befunden werden.

Mit diesen Menschen teilt man oft so gut wie gar nichts und am allerwenigsten würde man sie im realen Leben an seinen intimsten, inneren Emotionen teilhaben lassen, die aber wiederum in dem eigenen Kunstwerk stecken.
Dadurch entsteht ein riesiges Vakuum an Unsicherheiten und der einfachste Weg, dieses oberflächlich zu kitten ist, so zu tun, als ob einem alles scheißegal ist und als ob einem nichts und niemand etwas antun könnte.

Im Idealfall schart man noch ganz viele Menschen um einen herum, die ziellos durchs Leben streunern und sich auch endlich irgendwo zugehörig fühlen möchten, und dieses substanzlose Speichelleckerkonsortium steigert die Unsicherheitskompension, da sie selbst ja nichts zu bieten hat, in solch unvorstellbare Ausmaße, das es schon fast körperlich weh tut.

 

Was ich von der Urban Tie Cap von Chanel halte? Für´n Arsch Alter!

Was ich von der Urban Tie Cap von Chanel halte? Für´n Arsch Alter!

 

Ja lieber Kinder, da sind wir geschichtlich jetzt beim Pop(art) und seinem berühmtesten Vertreter, Andy Warhol, angelangt.
Kunst wird zu Kommerz und der Rattenschwanz der da dran hängt ist ellenlang.

Soweit so gut, Dinge passieren, die Zeit entwickelt sich weiter und es hilft nichts darüber zu jammern.
Das einzige was uns als freie, denkende Menschen übrig bleibt, ist, diesen Zustand nicht als gegeben hinzunehmen.
Natürlich will man sich abgrenzen, natürlich muss man sich jetzt nicht jedem dahergelaufenen Hans&Franz in die Arme schmeißen und dessen bester Freund werden, aber was hindert uns daran, unseren Mitmenschen mit Freundlichkeit und offenem Herzen zu begegnen?

Trends werden heutzutage nicht mehr von der Oberschicht gemacht

Wenn einem erst mal bewusst wird, das hinter der nach außen herablassenden Maskerade meist nur Unsicherheit herrscht, dann fällt es einem viel leichter, den Spieß mal umzudrehen und die Sinnlosigkeit dieses ganzen Spielchens zu durchschauen.
Langsam ist es auch mal an der Zeit, uns wirklich bewusst zu werden, wer wir eigentlich sind und was wir eigentlich leisten.

Trends werden heute nicht mehr von der Oberschicht gemacht, die Ideen und Trends die wir setzen, werden von der gut organisierten und monetär gut ausgestatteten Oberschicht dummdreist geklaut und wir lecken immer noch ganz verklärt an ausgelutschten Arschlöchern herum um nur ja auch endlich dazu zu gehören???!!!

Ernsthaft, das ist also der momentane Zeitgeist?
Sorry, aber nicht mit uns.
Es ist endlich an der Zeit, sich zu weigern dieses Spielchen mit zu machen, und dazu gehört für mich auch ein humaner Umgang miteinander.

Es wird Zeit endlich mal wieder menschlich zu werden...

Es wird Zeit endlich mal wieder menschlich zu werden…

Indem wir uns durch unsere Coolness selbst den Zugang zueinander verstellen, lassen wir es nicht zu, das sich basisdemokratisch etwas ändert.
Dadurch, das wir so von Angst, Missgunst und Unsicherheiten zerfressen sind, geben wir diesem Umstand nur mehr Zucker zum wachsen und lassen es zu, das andere, wie so oft, die Lorbeeren für unsere Ideen ernten.
Nett mag lange als der kleine Bruder von Scheiße gegolten haben, aber dieser selten dämliche Spruch ist mittlerweile nicht mehr zeitgemäß.

wahre Kunst entsteht, wenn man einen Teil seiner Persönlichkeit offenbart

In einer Welt, in der schon 12jährige „coolere“ Instagram Accounts haben als mancher Mittdreißiger, ist Freundlichkeit eine Herausforderung für Fortgeschrittene, denn es bedeutet auch, das man keine Angst davor haben darf, einen Teil seiner wahren Persönlichkeit zu offenbaren.

Wahre Kunst entsteht auch nur daraus, wenn man einen Teil seiner Persönlichkeit offenbart.
1:1 kopieren ist einfach und wird auch leider zum Standard und das meist noch nicht mal aus Böswilligkeit, sondern aus purer Verzweiflung, endlich auch mal einen Stück vom Kuchen abzubekommen.

Die Menschheit aber braucht wahre Kunst um sich weiter zu entwickeln, unsere Gesellschaft braucht Menschen die sich trauen ihr Innerstes nach Außen zu kehren, sonst gibt es keine innere Weiterentwicklung, und diese, meine Freunde, wird in dieser Welt in der wir heutzutage leben, viel zu wenig wert geschätzt, als das wir uns es leisten könnten, sie auf´s Spiel zu setzen, nur um cool zu sein.

Deswegen, tut Euch selbst einen riesigen Gefallen und fangt an zu Lächeln.

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Janny Schulte

Even though my mom raised me right that rap shit saved my life and sometimes I may look kinda funny but ain´t no fool cause whatever I want to do I make it clever. Still life as a shorty shouldn´t be so rough but I´m leaving the past cause I learned I´m the only motherfucker that can change my life.

1 Comment

  • Antworten Oktober 9, 2014

    Ali Baba

    Ich danke dir! ich sehs genauso!

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